St. Lubentiusbasilika - Denkmalgerechte Restaurierung der Glockentürme II
Rhombendach – eines der ältesten seiner Art
Über viele Jahre war die Dacheindeckung undicht und keineswegs mehr regensicher, dadurch wurden die Fußpunkte der Rhombendach-Konstruktionen stark angegriffen und beschädigt. In früheren Sanierungen des 19. Jahrhunderts wurde an diesen Stellen bereits notdürftig abgestützt um eine weitere Standsicherheit irgendwie zu ermöglichen. Als die Traufpunkte nun geöffnet wurden, kamen die Schäden zum Vorschein. Dabei lässt sich beobachten, dass die beiden Türme völlig andere Konstruktionsansätze hatten.
Der Dachstuhl des Nordturms stammt aus dem Jahre 1181 und ist damit etwa 40 Jahre jünger, als der etwas höhere Südturm (1221). Es scheint, als hätte man im Nordturm ausprobiert, wie man ein solchen Rhombendach überhaupt konstruiert. Aktuell scheint es auch so, als sei dieses eines der ältesten oder sogar das älteste seiner Art. Jeder Schifter ist anders angeschlossen, mal mit Zapfen, mal mit Versatz. Jeder Firstpunkt mit Anschluss an den oberen Gratsparren ist unterschiedlich konstruiert. Im Nordturm wurde zudem wohl auch zuerst das Mauerwerk erstellt und dann die Holzkonstruktion darauf konstruiert. Im Südturm hingegen ist ein klares Konzept erkennbar, dieser wurde wohl auf dem Zimmerplatz vorgefertigt, gerichtet und dann im Nachhinein ausgemauert.
Bergen und Erhalten
Die Fußpunkte waren so stark geschädigt, dass man sich von Seiten der Denkmalpflege für eine Bergung der noch fragmentartig erhaltenen Konstruktionsteile entschieden hat. Die ursprüngliche wurde im Nachhinein genauso nachgebildet und geschädigte Sparren etc. gesundgeschnitten und mit Prothesen aus Eichenholz ertüchtigt. Das Bergen der Teile wurde dauerhaft dokumentiert, die Hölzer eingelagert und maßgefertigte Aufbewahrungskisten angefertigt. Darin liegen diese auf einer Weichlage aus Holzfaserdämmung und jede Kiste enthält einen Steckbrief mit einer Beschreibung und Fotodokumentation.
Weiterer Ablauf
Der Nordturm ist aus Zimmerersicht nun erstmal abgeschlossen, nun wird von den Dachdeckern geschalt und geschiefert. Wir ergänzen dann noch die Wasserspeier-Konstruktion und die Ortgangbretter, obwohl, sagen wir lieber Ortgangbohlen (30 mm Eiche, 30 cm breit). Danach geht’s mit dem Südturm weiter, dann kommt noch die Brücke und das Satteldach über der Orgelstube. Wir sind dort also noch ein bisschen beschäftigt.
Es wird sicher nochmal ein Update hier geben, auch im kommenden Magazin wird man darüber etwas lesen können – ansonsten wie immer gerne bei Instagram vorbeischauen und folgen um mehr zu sehen: @zimmerei.fuchs







