Einfache Anleitung zum Handabbund: Satteldach
Einfache Anleitung zum Handabbund: Satteldach
Ich habe aus Interesse selbst danach gegoogelt und nichts zu diesem Thema gefunden und da mein letzter Beitrag zum Thema Top Tipps für den Handabbund sehr gut ankam, dachte ich mir, ich schreibe einfach selbst eine Anleitung. Dieser Artikel geht auf die Basics ein und richtet sich daher eher an Berufseinsteiger oder Zimmerer, die nie viel mit Handabbund zu tun hatten.
1. Sichten, Sortieren und Auslegen
Wenn das Holz mit dem LKW geliefert und abgeladen wurde, sollte man erstmal prüfen, ob die Lieferung vollständig ist. Danach werden die Hölzer auf Abbund-Böcke gepackt, denn dort lassen sie sich besser anreißen und ausarbeiten. Nun sollte man sich jeden Sparren einzeln anschauen und sortieren, zum Beispiel bei einem sichtbaren Dachüberstand sollten die Sparrenköpfe in Ordnung sein. Außerdem sollte man sich schon einen Vorlegesparren aussuchen, der möglichst grade ist. Dies ist wichtig für den nächsten Schritt, das Anreißen. Die Sparren werden dann zu einem Paket zusammengelegt. Wichtig ist darauf zu achten, dass die Sparren so auf die Böcke gelegt werden, dass die Biegung nach unten durchhängt. Deshalb wichtig: jeden Sparren einzeln anschauen!
2. Anreißen
Zum Anreißen des Sparrens benötige ich einen Zimmermanns Winkel, einen Alphawinkel, ein Maßband und einen Bleistift. Dem Abbundplan kann man folgende Maße entnehmen: Dachneigung und entsprechende Maschinenwinkel, Gesamtlänge des Sparrens sowie Kervenposition und -tiefe (bzw. das Obholz). Am Anfang zieht man mit dem Zimmermannswinkel einen ca. 2cm vom unteren Abschnitt entfernten winkligen Strich. An diesem Strich legt man dann das Maßband an und überträgt die Maß-Kette vom Abbund-plan auf das Holz. Wichtig ist, dass man immer nochmal kontrolliert, ob die Maße passen, bevor man mit der Ausarbeitung startet. Dies kann man zum Beispiel kontrollieren, indem man das Maß zwischen den Kerven misst. Danach nehme ich mir den Alphawinkel und stelle die Dachneigung ein. Der Punkt, den ich mir mit der Maß-Kette übertragen habe, ist die Vorderkante der Kerve. Mit dem Alphwinkel hole ich mir den Lot (Senkel)- Riss an dieser Stelle. Auf dem Lot (Senkel) -Riss trage ich nun rechtwinklig zum Holz das Obholz auf. Durch diesen neu erzeugten Punkt auf dem Lot (Senkel)-Riss, ziehe ich nun mit dem Alphawinkel den Waageriss. Fertig ist die Kerve. Danach werden noch der Firstabschnitt, sowie der Traufabschnitt mit dem Alphawinkel angerissen. Wenn der erste Sparren fertig angerissen ist, sucht man sich einen zweiten Sparren, der möglichst gerade ist aus, und packt ihn unter den bereits angerissenen Sparren. Dann Winkel ich mir die Risse auf dem ersten Sparren mit dem Zimmermannswinkel auf den zweiten Sparren. Diese beiden Sparren legt man nun als ersten und letzten Sparren an die jeweiligen Außenseiten des Sparrenpakets.
Grade beim Anreißen gibt es im Bereich Handabbund die größten Unterschiede zu anderen Betrieben oder Regionen. Das liegt unter anderem daran, dass unterschiedliche Programme verwendet werden und regional andere Maße aufgetragen werden. Ich möchte hier nochmal deutlich machen, dass ich es hier so beschreibe, wie ich es gelernt habe.
3. Einwinkeln
Nachdem die beiden Sparren angerissen und an die richtige Stelle gelegt wurden, kommt das Einwinkeln. Das ist wichtig, damit man nicht schief durch das Sparrenpaket fräst und somit alle Sparren im schlimmsten Fall unbrauchbar macht. Das Einwinkeln funktioniert super mit einem Maßband. Hier ist es einfacher, wenn man kurz zu zweit ist, genauso wie beim Anbringen der Abbund-Schraubzwingen. Wichtig: erst zusammen zwingen und dann Einwinkeln und ggfs. Korrigieren. Beim Einwinkeln wird das Maßband über Kreuz über das Sparrenpaket gelegt. Dabei wird unten der Strich für den Abschnitt an der Außenkante angenommen (am besten mit dem 10cm Punkt des Maßbands) und die zweite Person zieht das Maßband auf Spannung und nimmt die Außenkante des Firstabschnitts auf der anderen Seite an und liest die Entfernung ab. Dann wiederholt man das ganze allerdings von den anderen Außenecken überkreuz. Entspricht diese Entfernung dem Maß auf der anderen Seite, so ist das Paket eingewinkelt. Sind die Maße nicht gleich, muss einer der beiden außenliegenden Sparren entweder nach oben oder unter geschoben werden. Dann wiederholt man das Messen so lange, bis die Maße übereinstimmen. Wichtig ist auch, dass alle Sparren unten auf dieselbe Länge angenommen wurden.
4. Einstellen der Maschinen
Vorab: Gerade bei diesem Punkt ist explizit das Thema Arbeitsschutz zu beachten! Arbeitsschutz ist superwichtig, also immer, wenn mit Maschinen gearbeitet wird Gehörschutz und Schutzbrille tragen. Deine Gesundheit wird es dir danken.
Wenn das Sparrenpaket eingewinkelt ist, können wir mit der Abbund-Schiene die Zeichen auf den äußeren Sparren annehmen und dann mit dem Bleistift die Zeichen über die anderen Sparren verbinden. Nun wird die Kervenfräse eingestellt auf Höhe und Neigung. Der Maschinenwinkel, ist den meisten Fällen die Dachneigung, kann aber auch dem Abbund-Plan entnommen werden. Wichtig ist die richtige Positionierung der Führungsschiene, diese muss exakt parallel zu der Kerve sein, sonst fräst man schief durch die Sparren. Ist die Schiene fixiert und die Maschine eingestellt, fräsen wir kurz an und kontrollieren dann, ob die Einstellungen der Maschine passen. Wenn alles passt, können wir die Kerve durchfräsen. Ebenso verfahren wir bei der Einstellung der Abschnittkettensäge und den Abschnitten an First und Traufe.
5. Abschließende arbeiten
Nach dem Fräsen der Kerven, werden diese noch vorgebohrt, damit auf der Baustelle die Tellerkopfschrauben leichter verschraubt werden können. Ebenfalls werden die Sparrenköpfe mit einem Schleifer glattgeschliffen und die Kanten angefast. Je nachdem ob die Sparrenköpfe sichtbar bleiben, also Traufschalung verbaut wird oder nicht, werden die Sparrenköpfe noch ausgeklinkt.
6. Anreißen der anderen Hölzer
Die Fußpfetten und die Firstpfette werden natürlich auch angerissen. Die Maß-Kette des Abbund-Plans wird hier auch wieder auf die Hölzer übertragen. Dies ist wichtig für die richtige Positionierung der Hölzer auf der Baustelle. Orientieren kann man sich dort zum Beispiel am Mauerriss, so kann man die Hölzer direkt beim Ablegen mit dem Kran auf Zeichen legen, ohne diese danach noch verschieben zu müssen. Angezeichnet wird auch die Position der Sparren auf Fußpfette und Firstpfette. Für die Balkenlage werden gegebenenfalls noch Balkenschuhe angeschossen.
Abschließende Worte
Dies ist eine sehr einfach gehaltene Anleitung. Aber ein ganzes Dach per Hand abzubinden und dann auf der Baustelle zu sehen, dass alles passt, ist jedes Mal wieder sehr befriedigend. Gerade Berufseinsteiger sollten meiner Meinung nach noch den Handabbund lernen, denn so bekommt man ein ganz anderes Gefühl dafür, wie alles zusammenhängt und welche Arbeitsschritte dann vor Ort in welcher Reihenfolge notwendig sind, um die gesamte Dachkonstruktion zu richten.
Arbeitsschritte können sich natürlich unterscheiden in Art der Durchführung oder Reihenfolge. Mein Ziel mit diesem Beitrag ist es, einen groben Einblick in den Handabbund zu geben und jungen Azubis und anderen Quereinsteigern eine grobe Anleitung dafür zu präsentieren. Ich hätte mir am Anfang meiner Ausbildung einen solchen Leitfaden gewünscht, um schneller verstehen zu können, was meine Kollegen grade tun und wo ich unterstützen kann. Die Erweiterung dieses Artikels ist mein letzter Beitrag zum Thema „Top Tipps für den Handabbund“.
Ich wünsche allen weiterhin viel Spaß beim Handabbund
Zünftige Grüße
Yannick
Bilder wurden zur Verfügung gestellt von der Zimmerei Fuchs. Vielen Dank dafür!








Sehr gut erklärt, danke dafür.