Baustelle
Carlisle Construction Materials GmbH
08.09.2023

Dach- und Abdichtungstechniken beim Holzbau: Feriendorf Wasserkuppe

Auf der Wasserkuppe, dem höchsten Berg der Rhön, finden Besucher eine außergewöhnliche Ferienanlage – 950 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, ist das „Feriendorf Wasserkuppe“ nicht nur das höchste in Hessen, sondern auch eines der höchstgelegenen Feriendörfer in ganz Deutschland. Insgesamt 14 Ferienhäuser mit 24 Wohneinheiten können bis zu 96 Übernachtungsgäste gemütlich und komfortabel beherbergen.
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Aber nicht nur die Höhenlage macht dieses Urlaubsparadies, das im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön liegt, so besonders. Biosphärenreservate stehen für Naturschutz mit und durch den Menschen. Sie sind somit gleichermaßen ein Qualitätssiegel für Urlauber und Ausflügler, die auf sanften Tourismus setzen. Wie auch die Betreiber Andreas Schubert und Boris Kiauka, die mit ihrem Projekt einen wichtigen Beitrag dazu leisten wollen, das Unterkunftsangebot in dieser Region so naturnah und nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Ökologisch und regional

So standen Umweltverträglichkeit und Regionalität bereits beim Bau aber auch für den späteren Betrieb an oberster Stelle: Sämtliche tragenden Bauteile und fassadenseitigen Verkleidungen der Ferienhäuser bestehen aus Holz oder Holzwerkstoffen und fügen sich so harmonisch in das regionale Landschaftsbild ein. Das Holz der mit Naturfaserplatten gedämmten Ferienhäuser stammt aus Rhöner Sägewerken. Für die Zimmermannsarbeiten, den Tiefbau, die Bodenplatten, die Fenster und die Elektroinstallation wurden ausschließlich heimische Betriebe ausgewählt. Die Energieversorgung erfolgt über ein eigenes Blockheizkraftwerk, das durch Fernwärme sowie eine 450 m² umfassende Photovoltaik-Anlage, die auf dem Dach der angrenzenden Gleitschirm-Flugschule installiert ist, unterstützt wird.

Auch das mit der Planung beauftragte Büro Gensler Architekten aus Ebersburg ist unweit der Wasserkuppe ansässig. Architekt Torsten Gensler ging in seiner Entwurfsplanung für die hölzernen Ferienhäuser sogar noch einen Schritt weiter, indem er für den oberen Abschluss der Satteldächer eine Sichtschalung aus Holz vorsah. Daraus resultierten besondere Anforderungen an die Ausbildung der Dachabdichtung, die auf der darunter befindlichen, hölzernen Tragschale angeordnet wurde.

Nachhaltige Abdichtungslösung

Da diese Ausführung innerhalb des allgemeinen technischen Regelwerkes nicht beschrieben ist, musste eine Sonderlösung erarbeitet werden. In enger Abstimmung zwischen dem Planer, dem Dachdeckereinkauf Süd eG aus Eichenzell, der Verlegefirma Holzbau Pfeffermann aus Eichenzell/Döllbach und Carlisle, dem Hersteller der Abdichtung, wurde eine passende Lösung gefunden. Man entschied sich für ein elastomeres Abdichtungsmaterial auf Basis des Synthesekautschuks EPDM. Dieser Materialtyp zeichnet sich vor allem durch ein dauerelastisches Verhalten in Verbindung mit einer extrem hohen Witterungs- bzw. Alterungsbeständigkeit aus. Carlisle bietet die EPDM-Abdichtungssysteme sowohl in Bahnen- als auch in Planenform an. Je nach Anwendungsfall bieten die Systeme spezifische Vorteile.

Die Dachflächen der Ferienhäuser haben einen rechteckigen Grundriss und enthalten nur wenige Durchdringungen oder Einbauteile. Insofern bot sich die Verlegung großflächiger Hertalan Easy Cover EPDM-Planen an. Bei der Herstellung werden hierfür EPDM-Bahnen in einem speziellen Hot-Bonding-Verfahren miteinander vulkanisiert. Die Dachabdichtung wird wie ein Maßanzug passgenau in einem Stück auf die Baustelle geliefert. Sie ist wurzelfest, FLL-geprüft sowie gegen Ozon und UV-Strahlen beständig. Die Verarbeitung erfolgt ohne offene Flamme und somit ohne Brandgefahr. Dies ist insbesondere bei hölzernen Untergründen ein immenser Vorteil.

EPDM-Planen für trockene Dächer und Böden

Auf den Dächern des Feriendorfs konnten die Planen in einem Stück, ohne eine einzige auf der Baustelle vorzunehmende Nahtverbindung, angeordnet werden. Sie wurden lose verlegt und zur Lagesicherung an nur wenigen Stellen mit dem systemgerechten Flächenklebstoff KS 143 auf dem Holzuntergrund montagefixiert. Zudem wurden sie im Trauf- und Ortgangbereich sowie im Bereich der Dachfenster-Anschlüsse vollflächig mit dem Kontaktklebstoff KS 137 und damit windsogsicher sowie winddicht aufgeklebt. Zusätzlich erfolgte eine Versiegelung der Planenkanten mit dem pastösen Kleb- und Dichtstoff KS 96. Mit einer Materialdicke von 1,3 mm werden die stofflichen Anforderungen an die erhöhte Anwendungsklasse K2 nach der Konstruktionsnorm DIN 18531 erfüllt. Insgesamt konnten die Dachflächen somit sehr schnell und qualitativ hochwertig abgedichtet werden.

Ungleich höhere planerische Anforderungen ergaben sich allerdings bei der Befestigung der äußeren Sichtschale. Dafür musste zunächst eine Konterlattung als Befestigungsuntergrund dieser Sichtschale angeordnet werden. Zwangsläufig wurde dabei die bereits verlegte Planenabdichtung perforiert. Die senkrecht zum Traufbereich verlaufenden Holzlatten wurden deshalb mit separaten EPDM-Streifen überdeckt, die ihrerseits vollflächig mit dem pastösen Kleb- und Dichtstoff befestigt und dabei versiegelt wurden. Zusätzlich wurden zwischen Sichtschale und Konterlattung selbstklebende Nageldichtbänder aus verpressbarem Schaumstoff, die die Dichtwirkung erhöhen, angeordnet. Eine zwischenzeitlich angedachte Variante als Unterkonstruktion der Sichtschale wurde nach Abwägung aller Vor- und Nachteile verworfen. Es handelte sich dabei um die Verwendung von Aluminium-Profilen, die sich jedoch wegen ihrer thermisch bedingten Längenänderung negativ auf das Gesamtsystem auswirken könnten. Außerdem hätten die niedrigeren Auszugswerte eine höhere Anzahl der notwendigen Schraubenverbindungen zur Folge gehabt.

Die komplexe Aufgabe der Gebäudeabdichtung bestand aber nicht nur in der Erarbeitung und Umsetzung einer Lösung für die Dachabdichtung. Zusätzlich galt es, eine fachgerechte Abdichtung der Bodenplatte für den Lastfall „Bodenfeuchte“ nach DIN 18533 herzustellen. Auch hierfür konnten die stofflichen und vor allem die verlegetechnischen Vorteile von werkseitig vorgefertigten EPDM-Planen genutzt werden. Ebenfalls jeweils in einem Stück verlegt, wurde deren Größe so gewählt, dass ihre Überstände seitlich auf die Stirnseiten der Betonbodenplatte wasserdicht mit dem Systemklebstoff    KS 137 aufgeklebt werden konnten.

Auf die beschriebene Weise wurde zunächst ein Ferienhaus als Prototyp abgedichtet. Nach Begutachtung und Abnahme der Leistungen wurden alle übrigen noch zu errichtenden Gebäude sowohl im Dach- als auch im erdberührten Bereich in dieser Form abgedichtet. Die Abdichtungslösungen wurden für alle 14 Ferienhäuser erfolgreich umgesetzt.

Vielfältiges Angebot

Im Januar 2019 wurden die ersten beiden Häuser des Feriendorfes Wasserkuppe im Rahmen einer Teileröffnung feierlich vorgestellt. Mittlerweile sind alle 14 Ferienhäuser in Betrieb und haben ihren Besuchern im Sommer wie im Winter eine Menge zu bieten. Vier Häuser sind komplett barrierefrei gestaltet und eingerichtet. Eine Gruppenunterkunft bietet Platz für bis zu 12 Personen, so dass auch größere Familien oder Wandergruppen bequem untergebracht werden können. Erholungssuchende können sich auch auf ein Wellness-Angebot freuen, das aus 12 Außenwhirlpools und 10 Saunen besteht. Der Nachhaltigkeitsaspekt findet sich auch in den Nebengebäuden wieder: 19 der 23 KFZ-Stellplätze befinden sich in einem Carport; das begrünte Dach bietet eine 240 Quadratmeter große Ausgleichsfläche mit viel Platz für einen Spielplatz mit Schaukel, Wippe und weiteren Spielmöglichkeiten.

Dipl.-Ing. Roland Fritsch

Carlisle Anwendungstechnik

 

BAUTAFEL (Auszug)

Objekt/Standort:

Feriendorf Wasserkuppe | D-36129 Gersfeld

www.feriendorf-wasserkuppe.de

Planung:

Dipl.-Ing. Torsten Gensler | Gensler Architekten

D-36157 Ebersburg | www.gensler-architekten.de

Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten:

Holzbau Pfeffermann | D-36124 Eichenzell

Produkte:

EPDM-Planen Hertalan Easy Cover 1,3 mm

Flächenklebstoff KS 143

Kontaktklebstoff KS 137

Kleb- und Dichtstoff KS 96

Hersteller:

Carlisle CM Europe GmbH

D-21079 Hamburg

www.ccm-europe.com

 

Bildquellen: Boris Kiauka, Holzbau Pfeffermann, Carlisle, Marc Niedermeier

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