Anspruchsvoller Handabbund und Punktewolke
Aufmaß mit dem Laserscanner
Die Ausgangssituation war sehr interessant, ein Bestandsgebäude, bei dem wir dem wir den vorherigen Binder-Dachstuhl rückgebaut haben, in Form eines Pultdachs. Die Fläche lief in eine Kehle und wurde dann zum Satteldach. Im Satteldachbereich sollte dann auch der Anbau entstehen und alles in einem mit einem sichtbaren Dachstuhl bedeckt werden. Schon in der ersten Planung war klar, dass es keinen rechten Winkel im Anbau-Bereich gibt. Nach dem Abriss waren dann auch die Wände des Bestands einsehbar, hier suchte man ebenfalls vergeblich nach einem annähernd rechten Winkel oder einer geraden Flucht in den Wänden. An dieser Stelle war für uns klar, hier macht ein händisches Aufmaß wenig Sinn. Das wäre sehr zeitintensiv und fehleranfällig.
Deshalb haben wir uns für einen Laserscan entschieden. Nach knapp zwei Stunden war das Aufmaß erledigt und die Punktewolke konnte generiert werden. Diese habe ich dann in mein SEMA-CAD eingelagert und konnte mit der Planung beginnen.
Komplizierte Dachkonstruktion
Schon bei der Dachausmittlung wurde klar, das wird interessant. Steigende Traufe? Verfallung? Oder doch steigender First? Es wurde eine Mischung aus allem. Ursprünglich war eine gleichbleibende Dachneigung von 14 Grad geplant. Es ergab sich schließlich eine etwas höhere Dachneigung im Satteldach-Bereich, damit die Kehle sauber auf den Firstpunkt trifft. Die Traufen wurden waagerecht gewählt, weshalb wir eine steigende Firstpfette im Anbau bekamen. Auch die Ringanker des Pultdachs liefen nicht parallel, so wurde auch die Pultfirst steigend ausgeführt.
Richtig interessant wurde es dann auf der Rückseite des Satteldachs. Die Anbauwand läuft nicht in der Flucht der Bestandswand, dementsprechend liegen die Fußpfetten nicht in einer Flucht. Letztendlich wurden beide Fußpfetten steigend ausgeführt, in zwei verschiedene Richtungen. Weitere Besonderheiten wie die Treppenwechslung um einen bestehenden Aufzugschacht, Dachfensterwechslung 3,00 x 3,00 m, Fenstersparren in 24/24, eine Raumhöhe im Erdgeschoss von fast 4,50 m und ein Unterzug in der Dimension 20/64 rundeten das spannende Projekt ab.
Anspruchsvoller Handabbund
Das Highlight für uns war dann der Abbund, wir haben uns für den Handabbund entschieden, allerdings bevor klar war, wie es im Detail wird. So standen wir als junges Team mit insgesamt sehr wenig Erfahrung im Handabbund von einer Herausforderung. 150 Quadratmeter Dachfläche mit steigenden Pfetten, Versprüngen, Kehle und Schifter und kein Holz gibt es zweimal. Man musste sich in viele Sachen reindenken, gemeinsam überlegen und Lösungen finden. Es waren anspruchsvolle und interessante Tage, die Anspannung war riesig. Als es dann ans Richten ging und alles zusammenpasste, der Kehlsparren saugend in die Sättel gerutscht ist und das Gesamtbild am Ende dem aus der Arbeitsvorbereitung entsprach, war die Erleichterung riesig und es kam ein bisschen Stolz dazu.
Es ist schön zu sehen, wie man sein Handwerk täglich ausleben kann, so wie es schon seit vielen Jahren von den vorherigen Generationen gelebt wurde und zusätzlich zur Unterstützung mit moderner Technik arbeiten kann.
Bilder: Zimmerei Fuchs











