Brücken aus Holz
Holzbrücken als Blickfang
Jede Brücke ist von der Wahrnehmung her zunächst ein räumliches Gebilde und steht als Solitär in ihrer Umgebung. Wo auch immer ein solches Bauwerk zu finden ist, ob es zurückhaltend und bescheiden oder auffällig und spektakulär daherkommt, es fängt in jedem Fall den Blick. Den ersten Eindruck bestimmt das Formale.
Bei Fußgänger- und Radwegbrücken gibt es mehr Freiheiten
Beim Entwurf von Fußgänger- und Radwegbrücken sind die Freiheiten, außergewöhnliche Ideen einfließen zu lassen, weitaus größer als bei Straßenbrücken. Die im Vergleich kleineren Spannweiten und Brückenbreiten, aber auch die geringeren Lasten der Nutzung, lassen die ein oder andere kühne Form zu. Kühn im Sinne von leicht, schlank und filigran, und dabei vielleicht sogar spielerisch oder originell in der Form.
Harmonische Einbindung in die Landschaft ist wichtig
Noch bevor sich ein Planer von den Rahmenbedingungen „Technik“, „Statik” und „Material” beim Entwurf einschränken lässt, darf er bei diesem Brückentyp vor allem erst mal daran denken, welche Form die Funktion am schönsten übersetzt und optisch am besten zur Geltung bringt. Immer auch mit Blick auf die Nutzer, die das Brückenbauwerk überqueren und es dabei besonders intensiv erleben. Hier spielen die fortlaufenden Perspektivwechsel eine ebenso besondere Rolle wie die harmonische Einbindung in die Umgebung und der Ort, an dem sie stehen sollen.
Wichtigsten Stellenwert hat die Gebrauchstauglichkeit
Im nächsten Schritt unterscheidet sich die Planung von Fußgänger- und Radwegbrücken dann allerdings kaum mehr von Straßenbrücken. Die statische und konstruktive Umsetzung folgt natürlich den gleichen Prinzipien wie die des „großen Bruders”. Ein Hauptaugenmerk bei der Planung einer Fußgänger- und Radwegbrücke aus Holz liegt auf der sogenannten Gebrauchstauglichkeit, denn diese hat für den Nutzer einer Brücke den wichtigsten Stellenwert. Der Begriff umfasst die drei Aspekte Komfort des Gehbelags, Verformungen und Schwingungen.
Starke Schwingungen und unangenehmes Federn verhindern
Letzteres kann mit sogenannten ausreichend steifen Belägen wie Bitumen oder Holz erreicht werden. Beides verhindert ein unangenehmes Federn. Die Oberfläche des Belags darf außerdem nicht glitschig werden, sondern muss auch bei Nässe rutschfest bleiben. Belagsfugen wiederum sollten nicht in Fahrbahnrichtung, sondern quer dazu orientiert sein, um ein Festfahren der Räder und Reifen von Kinderwägen oder Fahrrädern zu vermeiden. Und ebenfalls wichtig ist die einfache Austauschbarkeit von Verschleißteilen.
Holz-Beton-Verbundbauweise
Seit vielen Jahren stärken bautechnische Innovationen die Wirtschaftlichkeit von Holzkonstruktionen. So weckte die Kombination zweier leistungsstarker Werkstoffe wie Holz und Beton auch den Erfindungsgeist der Brückenbau-Ingenieure. Denn Brücken in Holz-Beton-Verbundbauweise (bspw. auf Bild Nr. 2) verfügen über mehrere Funktionen: Bei massiven Holzträgern, die auf der Oberseite mit einer Betonplatte nachgiebig verbunden sind, besteht eine optimale Ausnutzung der Materialeigenschaften beider Baustoffe. Die Betonplatte dient als Fahrbahn – und eventuell sogar als Witterungsschutz für die Holzkonstruktion darunter – und wird gleichzeitig zur Lastabtragung herangezogen.
Problem Bewitterung
Um dem Problem der Bewitterung zu begegnen, wurden Holzbrücken früher traditionellerweise mit einer Überdachung errichtet. Dieses Schutzdach befindet sich im modernen Holzbrückenbau, um die Praktikabilität zu erhöhen und gleichzeitig die Lebensdauer zu verlängern, wie gerade schon erwähnt, auf Fahrbahnebene. Dadurch konnte die theoretische Nutzungsdauer vieler Konstruktionen auf bis zu 80 Jahre erhöht werden bei jährlichen Unterhaltungskosten von einem Prozentsatz.
Tendenz zu Holzbrücken
Da zudem die steigende Aufmerksamkeit für Umweltfragen die Qualitäten von Holz als nachwachsendem Rohstoff und als wichtiger Beitrag zum Klimaschutz mehr denn je ins Bewusstsein rückt, sowohl von Planern als auch von der öffentlichen Hand, prüfen kommunale Bauabteilungen heute wieder öfter die „Option Holz“ für Brückenbauten.
Bilder
Fußgänger- und Radwegebrücken:
Bild 1: Brücke Staderas LAAX AMMANN, Schweiz (Quelle: Camathias SA)
Bild 2: Fuß- und Radwegebrücke in Holz-Verbund-Bauweise Neckartenzlingen (Quelle: Fotograf Walter)
Bild 3: Spannbandbrücke Ronneburg (Quelle: dpa)
Bild 4: Spannbandbrücke Ronneburg (Quelle: dpa)
Bild 5: Brücke Delfzijl (Quelle: Schaffitzel Holzindustrie)
Bild 7: Holzkunstbrücke (Quelle: sjb-Stelcl)
Bild 8: Brücke Lörrach (Quelle: Schmees & Lühn - Markus Ruf)
Straßenbrücken:
Bild 6: Mistissini Brigde Canada (Quelle: Dessau Inc - Stephane Groleau)
Bild 9: Radlacher Brücke (Quelle: Wikimedia Commons)
Bild 10: Neubrügg an der Aare (Quelle: Simpson Strong-Tie GmbH)
Autoren:
Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe und Arnim Seidel, Düsseldorf
Das Buch „Brücken aus Holz“ kann man hier herunterladen: Buch "Brücken aus Holz"
Ergänzend gibt es drei Broschüren zum Herunterladen:
Broschüre "Entwurf": https://informationsdienst-holz.de/fileadmin/Publikationen/2_Holzbau_Handbuch/R01_T01_F09_Entwurf_von_Holzbruecken_2019.pdf
Broschüre "Tragwerksplanung": https://informationsdienst-holz.de/fileadmin/Publikationen/2_Holzbau_Handbuch/R01_T02_F09_Tragwerksplanung_Holzbruecken_2019.pdf
Broschüre "Musterzeichnungen": https://informationsdienst-holz.de/fileadmin/Publikationen/2_Holzbau_Handbuch/R01_T03_F09_Musterzeichnungen_Holzbruecken_2019.pdf



















