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Zimmerer-Treffpunkt
21.06.2023

Brücken aus Holz

Noch nie sind im Bauschaffen der Menschheit so viele Brücken gebaut worden wie seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, davon unzählige in Holz. Holzbrücken im In- und Ausland belegen nicht nur ihr technisches Potenzial, sondern auch ihre besondere Ästhetik. Die Wettbewerbsfähigkeit von Holzbrücken definiert sich jedoch auch über die Langlebigkeit der Bauwerke. Hier hat sich der Holzbau auf alte Tugenden besonnen, die der Trockenhaltung des Holzes dienen. Bei durchgängigem konstruktivem Holzschutz sind Brückentragwerke von hoher Lebensdauer ohne den Einsatz chemischer Hilfsmittel realisierbar.
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Holzbrücken als Blickfang

Jede Brücke ist von der Wahrnehmung her zunächst ein räumliches Gebilde und steht als Solitär in ihrer Umgebung. Wo auch immer ein solches Bauwerk zu finden ist, ob es zurückhaltend und bescheiden oder auffällig und spektakulär daherkommt, es fängt in jedem Fall den Blick. Den ersten Eindruck bestimmt das Formale.

Bei Fußgänger- und Radwegbrücken gibt es mehr Freiheiten

Beim Entwurf von Fußgänger- und Radwegbrücken sind die Freiheiten, außergewöhnliche Ideen einfließen zu lassen, weitaus größer als bei Straßenbrücken. Die im Vergleich kleineren Spannweiten und Brückenbreiten, aber auch die geringeren Lasten der Nutzung, lassen die ein oder andere kühne Form zu. Kühn im Sinne von leicht, schlank und filigran, und dabei vielleicht sogar spielerisch oder originell in der Form.

Harmonische Einbindung in die Landschaft ist wichtig

Noch bevor sich ein Planer von den Rahmenbedingungen „Technik“, „Statik” und „Material” beim Entwurf einschränken lässt, darf er bei diesem Brückentyp vor allem erst mal daran denken, welche Form die Funktion am schönsten übersetzt und optisch am besten zur Geltung bringt. Immer auch mit Blick auf die Nutzer, die das Brückenbauwerk überqueren und es dabei besonders intensiv erleben. Hier spielen die fortlaufenden Perspektivwechsel eine ebenso besondere Rolle wie die harmonische Einbindung in die Umgebung und der Ort, an dem sie stehen sollen.

Wichtigsten Stellenwert hat die Gebrauchstauglichkeit

Im nächsten Schritt unterscheidet sich die Planung von Fußgänger- und Radwegbrücken dann allerdings kaum mehr von Straßenbrücken. Die statische und konstruktive Umsetzung folgt natürlich den gleichen Prinzipien wie die des „großen Bruders”. Ein Hauptaugenmerk bei der Planung einer Fußgänger- und Radwegbrücke aus Holz liegt auf der sogenannten Gebrauchstauglichkeit, denn diese hat für den Nutzer einer Brücke den wichtigsten Stellenwert. Der Begriff umfasst die drei Aspekte Komfort des Gehbelags, Verformungen und Schwingungen.

Starke Schwingungen und unangenehmes Federn verhindern

Letzteres kann mit sogenannten ausreichend steifen Belägen wie Bitumen oder Holz erreicht werden. Beides verhindert ein unangenehmes Federn. Die Oberfläche des Belags darf außerdem nicht glitschig werden, sondern muss auch bei Nässe rutschfest bleiben. Belagsfugen wiederum sollten nicht in Fahrbahnrichtung, sondern quer dazu orientiert sein, um ein Festfahren der Räder und Reifen von Kinderwägen oder Fahrrädern zu vermeiden. Und ebenfalls wichtig ist die einfache Austauschbarkeit von Verschleißteilen.

Holz-Beton-Verbundbauweise

Seit vielen Jahren stärken bautechnische Innovationen die Wirtschaftlichkeit von Holzkonstruktionen. So weckte die Kombination zweier leistungsstarker Werkstoffe wie Holz und Beton auch den Erfindungsgeist der Brückenbau-Ingenieure. Denn Brücken in Holz-Beton-Verbundbauweise (bspw. auf Bild Nr. 2) verfügen über mehrere Funktionen: Bei massiven Holzträgern, die auf der Oberseite mit einer Betonplatte nachgiebig verbunden sind, besteht eine optimale Ausnutzung der Materialeigenschaften beider Baustoffe. Die Betonplatte dient als Fahrbahn – und eventuell sogar als Witterungsschutz für die Holzkonstruktion darunter – und wird gleichzeitig zur Lastabtragung herangezogen.

Problem Bewitterung

Um dem Problem der Bewitterung zu begegnen, wurden Holzbrücken früher traditionellerweise mit einer Überdachung errichtet. Dieses Schutzdach befindet sich im modernen Holzbrückenbau, um die Praktikabilität zu erhöhen und gleichzeitig die Lebensdauer zu verlängern, wie gerade schon erwähnt, auf Fahrbahnebene. Dadurch konnte die theoretische Nutzungsdauer vieler Konstruktionen auf bis zu 80 Jahre erhöht werden bei jährlichen Unterhaltungskosten von einem Prozentsatz.

Tendenz zu Holzbrücken

Da zudem die steigende Aufmerksamkeit für Umweltfragen die Qualitäten von Holz als nachwachsendem Rohstoff und als wichtiger Beitrag zum Klimaschutz mehr denn je ins Bewusstsein rückt, sowohl von Planern als auch von der öffentlichen Hand, prüfen kommunale Bauabteilungen heute wieder öfter die „Option Holz“ für Brückenbauten.

 

Bilder

Fußgänger- und Radwegebrücken: 

Bild 1: Brücke Staderas LAAX AMMANN, Schweiz (Quelle: Camathias SA)

Bild 2: Fuß- und Radwegebrücke in Holz-Verbund-Bauweise Neckartenzlingen (Quelle: Fotograf Walter)

Bild 3: Spannbandbrücke Ronneburg (Quelle: dpa)

Bild 4: Spannbandbrücke Ronneburg (Quelle: dpa)

Bild 5: Brücke Delfzijl (Quelle: Schaffitzel Holzindustrie)

Bild 7: Holzkunstbrücke (Quelle: sjb-Stelcl)

Bild 8: Brücke Lörrach (Quelle: Schmees & Lühn - Markus Ruf)

Straßenbrücken:

Bild 6: Mistissini Brigde Canada (Quelle: Dessau Inc - Stephane Groleau)

Bild 9: Radlacher Brücke (Quelle: Wikimedia Commons)

Bild 10: Neubrügg an der Aare (Quelle: Simpson Strong-Tie GmbH)

 

Autoren: 

Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe und Arnim Seidel, Düsseldorf 

Das Buch „Brücken aus Holz“ kann man hier herunterladen: Buch "Brücken aus Holz"

 

Ergänzend gibt es drei Broschüren zum Herunterladen:

Broschüre "Entwurf": https://informationsdienst-holz.de/fileadmin/Publikationen/2_Holzbau_Handbuch/R01_T01_F09_Entwurf_von_Holzbruecken_2019.pdf

Broschüre "Tragwerksplanung": https://informationsdienst-holz.de/fileadmin/Publikationen/2_Holzbau_Handbuch/R01_T02_F09_Tragwerksplanung_Holzbruecken_2019.pdf

Broschüre "Musterzeichnungen": https://informationsdienst-holz.de/fileadmin/Publikationen/2_Holzbau_Handbuch/R01_T03_F09_Musterzeichnungen_Holzbruecken_2019.pdf

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1 Kommentar
lexe
22.06.2023
die schönsten brücken die ich sah waren aus holz
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