Mauern mit Holz-Bausteinen
Das TRIQBRIQ-System
Im Prinzip ist es ein sehr einfaches System: „Die einzelnen Holzbausteine unseres TRIQBRIQ-Systems (sogenannte BRIQs) haben auf der Oberseite Noppen und auf der Unterseite entsprechende Sacklöcher. Die BRIQs werden dann auf der Baustelle im Verband zusammengesteckt. Dabei werden die jeweiligen Noppen über Buchenholzdübel mit den aufliegenden BRIQs verriegelt. Hierfür bestehen entsprechende Vorbohrungen. Für das Eintreiben der Dübel haben wir einen speziellen Bohrhammeraufsatz entwickelt“, so Lewin Fricke von der TRIQBRIQ AG.
Die Größen der Bauteile
Im System gibt es drei Standard-BRIQs in den Größen 30, 60 und 240 cm. Die Höhe der Holzbausteine beträgt immer 30 cm. Die Wandstärke beträgt ebenfalls 30 cm – aktuell befindet sich auch ein System mit einer Wandstärke von 25 cm in Testung. Der mikro-modulare Ansatz des Systems ermöglicht die einfache Planung von Türen und Fenstern ohne überflüssigen Verschnitt. Kabelschächte können einfach eingeschlitzt werden. Auf der Homepage bietet TRIQBRIQ bereits einen ausführlichen Detailkatalog mit Sockeldetails, Wandaufbauten, Innenwandaufbauten und Öffnungsdetails.
Verankerung
Beim Thema Verankerung ähnelt das System dem der anderen Holzhausbauweisen: „Für die Verankerung der Wand gibt es verschiedene Optionen. Am gängigsten sind eine direkte Verankerung auf der Bodenplatte, bei der die entsprechende Fuge mit Quellmörtel verschlossen wird, sowie das Verwenden einer technisch üblichen Setzschwelle.“
Decken
Bei der Art der Deckenkonstruktion ist man dabei flexibel: „Die Decke liegt auf dem TRIQBRIQ-System auf und wird verschraubt. Hierfür werden die Noppen der obersten BRIQ-Reihe entfernt und eine Zentrierleiste angebracht. Auch hybride Lösungen (z.B. Stahlbeton Decken) sind einfach umsetzbar.“
Wandaufbau
Und auch beim Thema Wandaufbau berichtet Fricke von einigen Möglichkeiten: „Wir empfehlen natürlich immer einen diffusionsoffenen Wandaufbau. Aktuell planen wir gemeinsam mit Vonovia den Bau einer Kita. Hier verwenden wir beispielsweise außen ein kreislauffähiges WDVS auf Basis von Steinwolle und innen Trockenbauwände auf Strohbasis. Nach Kundenwunsch und entsprechend der jeweiligen LBO und GK ist eine TRIQBRIQ-Wand auf Sicht möglich. Da das System gekapselt gedacht ist, wäre der Auftrag hier allerdings mit geringfügigen Nacharbeiten verbunden“
Ökologische Produktion mit Schadholz
Ein wichtiger Punkt ist das Verwenden von Schadholz, welches für die sonstigen Bauholzprodukte größtenteils ungeeignet ist. Dieses wird, um die Transportwege möglichst kurz zu halten, aus den regionalen Wäldern geholt. Ein Rohstoffpotential, welches bisher für den Baubereich nicht nutzbar war: „TRIQBRIQ ermöglicht erstmalig die kreislauffähige Verwendung von kostengünstigem Industrie- und Kalamitätsholz im tragenden Rohbau. Die einzelnen BRIQs werden über ein patentiertes drei-axiales Dübelsystem von Industrierobotern seriell produziert. Hierbei wird Schwachholz niedrigster Qualität zu einem statisch einwandfreien Mauersystem verarbeitet“, bestätigt Lewin Fricke.
Durch und durch ökologisch
Dieser ökologische Ansatz zieht sich wie ein roter bzw. grüner Faden durch das ganze System, Verpackungen werden mit wiederverwendbaren Materialien geliefert und können zurückgegeben werden, die BRIQs können durch reine Holzdübel-Verbindungen wieder zurückgebaut und erneut verwendet werden.
Bauholz wiederverwendbar
Beim Thema „Re-use“ stehen nun auch neue Ansätze auf dem Plan: „Wir testen inzwischen außerdem die Verwendung von rückläufigem Bauholz und haben auch hier bereits vielversprechende Ergebnisse erzielt.“
Wie praxisnah ist das System aktuell?
So ein neues System ist ja immer schön und gut, aber ist es überhaupt in der aktuellen Form schon anwendbar und vor allem wirtschaftlich? Lewin Fricke berichtet: „Bei unserem Proof of Concept haben wir auf einer 50qm Bodenplatte drei Wände innerhalb von vier Stunden errichtet (siehe Website). Auf Grund unseres günstigen Rohstoffeinkaufs ist es uns dabei möglich – trotz nachhaltiger und kreislauffähiger Massivholzbauweise – mit herkömmlichen Bausystemen preislich zu konkurrieren.“ Zudem ist das System vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zugelassen. Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) und allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) stehen auf der Website des Start-Ups zur Verfügung.
Die ersten Projekte
Auch die ersten Projekte gibt es schon: „Europaweit gibt es diverse Projekte mit Vorgängerversionen unseres Systems und in Stuttgart Weilimdorf haben wir unser Proof of Concept des aktuellen Systems, bei einem Anbau an ein Einfamilienhaus umgesetzt. Für Q1 und Q2 2023 stehen verschiedene Bauvorhaben im Ein- und Mehrfamilienhausbereich an. Außerdem wird in Q1 ebenfalls eine größere Gewerbeeinheit entstehen. Spannend ist vor allem das Vonovia Projekt. Hier schaffen wir Kita-Plätze für über 100 Kinder in Bochum-Weitmar. Ziel des Projektes ist dabei ein ganzheitlich nachhaltiger Ansatz mit einem gezielten Fokus auf ESG-konforme und gesunde Baumaterialien. Für einige unserer Projekte suchen wir auch noch lokale Partner im Bereich des Zimmereihandwerks.“
Wer steckt hinter TRIQBRIQ ?
Ein interessanter Punkt ist bei solchen Start-Ups immer die Struktur dahinter, Lewin Fricke ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und berichtet weiter: „Unser Vorstand Max Wörner ist Unternehmer und Geschäftsführer mehrerer Firmen im Baugewerbe. Im Rahmen einer Projektentwicklung lernte er den Architekten Werner Grosse kennen, der seit über 20 Jahren an Schwachholz-basierten Holzbausystemen forscht und arbeitet. Gemeinsam entwickelten sie, auf Basis von Werner Grosses Arbeit, das TRIQBRIQ-System zu dem weiter, was es heute ist. Ende 2021 wurde die TRIQBRIQ AG in Stuttgart gegründet. Bereits im Frühjahr 2022 konnten wir, auf Grund der guten Vorarbeit, die bauaufsichtliche Zulassung für das TRIQBRIQ-System erwirken. Am 30. November 2022 folgte dann die Eröffnung unseres Stammwerkes in Tübingen. Hier werden mit Industrierobotern die BRIQs unseres TRIQBRIQ-Systems seriell gefertigt. Unser Hauptsitz bleibt jedoch weiterhin Stuttgart. Aktuell arbeiten an den beiden Standorten und remote 10 Kolleginnen und Kollegen.“
Mehrfach ausgezeichnet
Eine solche Start-Up Entwicklung bleibt natürlich nicht lange ein Geheimtipp, so wurde die TRQIBRIQ AG bereits mehrfach ausgezeichnet. Beim ReBAU Messe Preis gab es eine Auszeichnung als „besonders herausragende Innovation der Baubranche“, von Vonovia den „Innovationspreis 2022“ und beim Kick-Start Green Innovations Event von Umwelttechnik BW schaffte es das System ins Finale. Außerdem darf sich das Unternehmen zu den Top 3 Start-ups der Sustainability Challenge 2022 der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zählen.
Bilder:
Bild 1-2: Produktion der BRIQ´s
Bild 3: BRIQ 30 cm
Bild 4: BRIQ 60 cm
Bild 5: BRIQ 60 - Expolsionszeichnung
Bild 6: Rohstoff Holz
Bild 7: Werk der TRIQBRIQ AG
Bild 8: Lewin Fricke (Leitung Öffentlichkeitsarbeit)
















Interessante coole Sache
Interessant
Oder mal gemacht zuhaben
Auch cool sowas mal gesehen zuhaben
Interessant
Interresante Bauweise 👍