Teil II: Berufliche Ausbildung als Grundlage
Problem beginnt in den Schulen
Aus eigenen Erfahrungen kann ich sagen, dass das Problem teilweise schon in den Schulen beginnt. Ich habe zuerst normal auf der Realschule meine mittlere Reife gemacht, schon da hieß es immer: „Strengt euch an, passt gut auf, dann könnt ihr später noch studieren und endet nicht auf dem Bau“, eine Aussage, die mir tief im Gedächtnis geblieben ist. Für mich war zu dem Zeitpunkt eigentlich schon klar, was ich mal werden will. Habe ich doch von klein auf jeden Tag meinen Vater in Zunfthosen gesehen, in jüngsten Jahren auf Kirchtürmen gesessen und schon immer das Holz geliebt. Trotzdem war damals erstmal mein Ziel, das Abitur zu machen.
So ging es dann auch in die Oberstufe des Gymnasiums, von dort an war dann klar: Jeder in dieser Stufe wird studieren. Einige konnten mit dem Beruf Zimmerer nicht ansatzweise etwas anfangen, was macht überhaupt ein Zimmerer? Von den Lehrern wurde man in diese Richtung geleitet, was kann man doch alles studieren, oder eben auch nicht. Auch aus meinem Umfeld kamen nur Fragen was ich denn studieren möchte. Doch muss man mit dem Abitur in der Tasche unbedingt studieren? Es gibt so viele Ausbildungsberufe, ob im Handwerk oder der Industrie. Das Handwerk allein bietet über 130 verschiedene Handwerksberufe, von den meisten wissen viele gar nicht, dass es sie überhaupt gibt, geschweige denn was sich dahinter verbirgt. In den meisten Berufen kann man seine Kreativität ausleben, sich selbst verwirklichen, arbeitet im Team und sieht so am Abend was man mit seinen Händen erschaffen hat.
Umdenken ist nötig
Ich denke, schon in den Schulen muss ein Umdenken stattfinden, warum sollen denn alle studieren? Wegen Geld? Das kann man auch im Handwerk verdienen. Bis man nach dem Studium arbeitet hat man auf dem Weg der beruflichen Ausbildung schon einiges verdient… Zudem wird man schon in jungen Jahren langsam an die Arbeitswelt herangeführt, sieht wie es ist acht Stunden am Tag für eigenes Geld zu arbeiten und hat mit einer abgeschlossenen Ausbildung einige Möglichkeiten. Vom Meister über den Techniker bis hin zum Betriebswirt, man braucht kein Studium und auch kein Abitur, um in leitende Positionen zu kommen. Es muss auch einfach an Klischees gearbeitet werden, der dumme Arbeiter aufm Bau, mittags um 12 schon nen halben Kasten Bier in den Kopf geschüttet und am Rumpöbeln? Als Lehrling wird man angeschrien, muss die Drecksarbeit machen und nur kehren? Ganz nach dem Motto: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre?“ Das Handwerk hat ein Image-Problem, an dem einiges getan werden muss. Durch Schulen, durch Berufsmessen, durch Social-Media und vor allem auch durch die Betriebe selbst. Solange Lehrlinge teilweise immer noch so behandelt werden, braucht man sich über die Nachwuchsprobleme nicht wundern. Wenn man nach dem Abitur die Wahl hat: Drei Jahre lang über acht Stunden am Tag hart ackern, schlechte Bezahlung, nur die Drecksarbeit machen oder sich in dieser Zeit in eine Uni setzen und danach schon geschätzt in guter Position arbeiten? Klar, das ist jetzt etwas überspitzt dargestellt, aber so ist der Eindruck bei einem großen Teil unsrer Gesellschaft. An diesem Bild muss gearbeitet werden, den Jugendlichen muss klar werden wie schön das Handwerk auch sein kann.
Zimmerer als Traumberuf
Um mal ein Beispiel aus dem Beruf des Zimmerers darzustellen: Wie geil ist es bitte, im Sommer morgens den Sonnenaufgang auf dem Weg zur Arbeit zu beobachten, den ganzen Tag im Team gemeinsam einen Dachstuhl zu errichten und am Abend geschafft auf dem First zu stehen und Stolz den Ausblick zu genießen? Gibt für mich nichts Schöneres. Und von solchen Momenten könnte wohl fast jeder Zimmerer erzählen. Ein Beruf, der einfach vielfältig ist, der zur Leidenschaft wird und dessen Zunftlogo man mit Stolz trägt. Von der Fachwerkrestauration, über traditionelle Holzverbindungen bis hin zu moderner CNC-Abbund Technik. Einer der ältesten Berufe, der durch moderne Techniken Tradition und Innovation verbindet!
Was meint ihr dazu? Woran liegt es, dass immer mehr Jugendliche das Studium einer beruflichen Ausbildung vorziehen? Was kann man dagegen tun?
