Brennpunkt Dachziegel: Marktüberblick
Allgemeine Situation
Warum ist das aktuell überhaupt so ein großes Thema? Die Dachziegelproduktion ist ein Sektor, der sehr energieintensiv ist. Die Dachziegel müssen bei über 1000 Grad im Ofen gebrannt werden, über einige Stunden. In der aktuellen Energiekrise ist dies somit eine Branche die besonders hart betroffen ist und mit den Energielieferanten zu kämpfen hat, einige Hersteller mehr, andere weniger.
Wie immer in solchen Situationen ist die Panik schnell groß und Gerüchte verbreiten sich wie Lauffeuer. Deshalb haben wir für euch nachgefragt, direkt bei den Herstellern. Hier ein kleiner Überblick:
Dachziegelwerke Nelskamp GmbH: Die Dachziegelwerke Nelskamp GmbH hat ein Rundschreiben rausgegeben, mit der Überschrift: „Aussetzung Dachziegelproduktion und Preisanpassung Dachsteine zum 01.10.2022“. Darin heißt es: „Auf Grund der ungebrochen dramatischen Preisentwicklung für Gas und Strom sehen wir uns gezwungen, die Produktion unserer Tondachziegel bis auf weiteres auszusetzen. Die bekanntermaßen sehr energieintensive Herstellung von Tondachziegeln ist unter den gegebenen Umständen wirtschaftlich nicht mehr darstellbar.“ Was mit den betroffenen Bestellungen ist, wird in den kommenden Tagen direkt mit den Betrieben geklärt. Und nicht nur die Tondachziegel sind betroffen. Die Produktion der Betondachsteine läuft zwar weiter, ab Oktober wird es hier allerdings eine Preissteigerung in Höhe von 20% geben.
Creaton GmbH: Der Marktführer im Bereich Biberschwanzziegel und einer der größten Dachziegelhersteller Deutschlands Creaton hat etwas bessere Nachrichten parat. „Wir sind froh, dass wir für 2022 Gaslieferungen und Preise über Verträge gesichert haben. Dadurch haben wir zum einen die Sicherheit – zumindest unter den gegebenen Rahmenbedingungen - Gas zu erhalten und gleichzeitig eine bessere Preisplanung erreicht. Leider kommt zum 1.10. die staatlich angeordnete Gasumlage dazu, die wir nicht beeinflussen können. Die zusätzlichen Belastungen aus Gasbeschaffungs-, Gasspeicher- und Regelenergie-Umlage belaufen sich in Summe auf 28,68€ pro Megawattstunde Gas. Um unsere Produktion aufrecht zu erhalten die Materialversorgung sicherzustellen, müssen wir diese Umlagen weiterverrechnen“, berichtet Vertriebs-Direktor Florian Scherr, „Wie sich die Preise in 2023 entwickeln werden, ist derzeit aufgrund der Vielzahl an Unwägbarkeiten nicht seriös einzuschätzen.“ Deshalb wird ab dem 01. Oktober 2022 für alle Lieferungen und Abholungen der bereits geltende Energiekostenzuschlag um 4,5% bis 12,5% erhöht. Die Produktion läuft allerdings uneingeschränkt weiter.
Im Netz gab es Gerüchte von vollen Lagern bei Creaton, dies wurde folgendermaßen begründet: „Die Kapazitäten der Produktionsstraßen werden bestmöglich genutzt, um möglichst viele Produkte herzustellen. So konnten wir bisher erfolgreich einen Auftrags-Annahme-Stopp vermeiden. Dennoch produziert das Unternehmen nicht „auf Halde“. Das wenige Material, welches produktionsbedingt aktuell in den Werken lagert, ist bereits vollständig verkauft. Auch die „zukünftigen“ Produktionsmengen sind bereits über Monate hinaus mit Kundenaufträgen belegt. Das schlägt sich in deutlich erhöhten Lieferzeiten für ausgewählte Farb- und Modellkombinationen nieder. Die Nachfrage nach Creaton-Produkten ist weiterhin sehr hoch, denn die Auftragsbücher der Dachdecker und Zimmereibetriebe sind voll.“
Und auch zu den aktuellen politischen Entwicklungen gibt Creaton ein Statement ab, so heißt es von Geschäftsführer Dr. Sebastian Dresse: „Als energieintensiver Betrieb, der fast ausschließlich mit Gas produziert, erfasst Creaton die derzeitige Entwicklung auf dem Energiemarkt mit voller Härte. Allein für unsere Werke in Deutschland haben sich die Beschaffungskosten um einen zweistelligen Millionenbetrag erhöht. Das Ausrufen der Alarmstufe durch die Bundesregierung versetzt uns in Alarmbereitschaft. Aktuell hat das für uns noch keine Auswirkungen. Wird allerdings die Notfallstufe durch die Regierung ausgerufen, werden wir als Industriekunde angehalten, den Gasverbrauch stark zu drosseln oder gar einzustellen.“ Allerdings arbeite man bei Creaton derzeit schon an einem Notfallplan um größere Folgen und Einschnitte in die Produktion vermeiden zu können.
Erlus AG: Bei Erlus hat man eine Pressemitteilung rausgegeben, in dieser heißt es: „Die ERLUS AG kann die Produktion bis auf Weiteres in vollem Umfang fortführen. Dies ist unser Beitrag zur Entspannung der Situation.“ Damit sollten schon mal einige Handwerksbetriebe und Bauherren beruhigt sein. Im nächsten Absatz gibt’s direkt noch eine gute Meldung hinterher: „Durch vorausschauende Planungen können wir, nach heutigem Stand, zunächst auch auf eine kurzfristige Preiserhöhung oder einen Energiezuschlag verzichten. Auch in Zukunft können Sie eine faire Preisgestaltung von ERLUS erwarten. Die erforderliche Preiserhöhung für das Jahr 2023 werden wir frühzeitig ankündigen.“ Einzig und alleine die Lieferzeiten sind laut Erlus aktuell noch ein Manko, hier heißt es erklärend: „Aktuell können wir auf keine nennenswerten Lagerbestände mehr zurückgreifen. Da es technisch nicht möglich ist, alle Modelle und Farben parallel zu produzieren, werden sich zwangsläufig die Verfügbarkeiten und damit die Lieferungen einiger Modelle zeitlich verschieben. Das ist uns äußerst unangenehm, aber zu unserem Bedauern, derzeit nicht mehr abzuwenden.“
Von den anderen Herstellern haben wir aktuell noch keine Rückmeldung, sobald es da auch News gibt, werden diese hier nachgeliefert.
Bildquelle: Sabrina Zolg

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