Der Museumsbauer: Ein ganz besonderer Zimmerer
Der Petzi-Hof: Eine schwere Aufgabe
Das Wohnhaus überragt die anderen Gebäude des Petzi-Hofes um eineinhalb Stockwerke. Fast komplett aus Feldsteinen gemauert ist das Erdgeschoss. Das obere Stockwerk dagegen ist ein Blockbau aus Holz. Von 1704 stammen die Stube und dieses Obergeschoss. Der Vierseithof ist rundum geschlossen und steht seit 1988 auf dem Gelände des Freilichtmuseums. Insgesamt sieben komplett übertragene Gebäude zählen zu seinem Ensemble. Und Franz Plöchinger war federführend beteiligt, als das Baudenkmal von Pötzerreut dorthin verlegt wurde. Noch nie zuvor war ein Anwesen so getreu in allen Details abgebaut und an einem neuen Ort wieder aufgebaut worden, sagen die Experten. Und genau diese Kleinigkeiten waren es, die dem Zimmerer „schlaflose Nächte“ bereitet haben: „Vier Sommer lang haben wir am Petzi-Hof gearbeitet. Es hat uns absolut gefordert, ich konnte oft an gar nichts anderes mehr denken.“
So kam Franz Plöchinger ins Museum
1980 öffnete das Museum seine Pforten. Zwei Jahre später kam auch schon Franz Plöchinger zum Team. „Ich habe bei einer Firma gearbeitet, die beim Aufbau des Museums beteiligt war. Das hat mir total gefallen. Als ich dann die Stellenausschreibung gelesen habe, habe ich mir gesagt: Das ist was für mich. Das mache ich.“ Er sollte Recht behalten. Im Museum lebt er seine Begeisterung fürs alte Handwerk nun aus. Dafür braucht es jede Menge Können. Vor allem, was alte Arbeitstechniken betrifft. „Früher wurden die Balken nicht vom Sägewerk zurechtgerichtet, sondern man beilte sie“, erklärt er. Beilen heißt, dass das Holz mit einem schweren Werkzeug behauen wird. Franz Plöchinger zeigt dieses massive Beil. Eine schwere Arbeit, dieses Werkzeug zu führen und den Balken unzählige Male damit zu bearbeiten. „Hackeln“, sagt man dazu auf Bairisch. Der Zimmerer spürt das viele „Hackeln“ mittlerweile in der Schulter, aber er macht weiter. „Ich habe die historischen Techniken von den alten Zimmerern gelernt“, blickt er zurück. „Man muss dazu eine ruhige Hand haben.“
Der Aufbau des Paul-Friedl-Hauses
In der Werkstatt des Museums befinden sich gerade Einzelteile des Paul-Friedl-Hauses. Das Geburtshaus des Heimatdichters wird derzeit ebenfalls Balken für Balken transloziert – so nennt man Wiederaufbau eines alten Anwesens an anderer Stelle. An seinem früheren Ort in Spiegelau moderte der geschichtsträchtige Bau vor sich hin und war dem Verfall preisgegeben. Jedes Einzelteil wurde nummeriert, darunter 5.000 Schindeln. Drei Monate hat das gedauert. Jetzt wird gesichtet, was noch gut ist und was ersetzt werden muss. „Die größte Schwierigkeit ist, die Statik im Haus wiederherzustellen“, sagt Plöchinger.
Spagat zwischen Neuem und Altem
Der Zimmerer zeigt ein bereits restauriertes Fenster. Er muss einen Spagat schaffen: Das Fenster muss nach seiner Bearbeitung sein wie neu, dagegen aber immer noch ganz schön alt aussehen. Deshalb hat der Handwerker auch eine Schatzkiste - einen Holzkasten mit altertümlichem Inhalt. Alte Türkegel befinden sich darin, Fensterbeschläge, -griffe und -ecken und vieles mehr befinden sich darin. Dieses Zubehör kauft er überall, wo er es findet. Sollten einmal keine Teile greifbar sein, dann beauftragt er einen Schmied mit der Herstellung. Eine Herausforderung ist es derzeit, Holz zum Bauen zu erhalten. Doch Plöchinger hat vorgesorgt: „Wir haben rechtzeitig das Material bestellt. Sonst würde die Baustelle hier oft wochenlang stillstehen.“
Bildquelle: Melanie Bäumel-Schachtner





