Zimmerer-Treffpunkt
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04.05.2022

Die Geschichte der Schindel

Wird man Schindeln in Zukunft wieder öfter verwenden? Diese Frage haben wir uns nicht nur gestellt weil Ziegel oder Dachsteine gerade so schwer zu bekommen sind, sondern weil Schindeln eine besondere Wirkung auf uns haben.
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Tradition und Moderne

Schindel wirken traditionell, lassen sich aber trotzdem gut mit der Moderne kombinieren! Doch warum denkt man bei dem Begriff Schindeln direkt an etwas altes
traditionelles? Weil man erst kürzlich welche von einem alten Gebäude entfernen musste oder die Nachbarn schon Jahrzehnte lang eine Schindelfassade haben?

Wie lange gibt es Schindeln schon?

Da sind wir auch schon beim Punkt, denn Schindeln gibt es schon ziemlich lange. Ein Beispiel aus der Eisenzeit zeigt, dass vor circa 3.000 Jahren (etwa 950 v. Chr.) im Süddeutschen Raum Eichenschindeln verbaut wurden. Diese wurden mit Holznägeln oder Lederriemen festgebunden. In unserem Nachbarland der Schweiz wurden zu dieser Zeit nachweislich gespaltene Weißtannenschindeln verwendet.

Jahrhunderte später (um 275 .v. Chr.) berichteten römische Gelehrte von schindelgedeckten
Holzhäusern von germanischen Völkern. Belegt werden können diese Erzählungen durch eine Ausgrabung im Römerkastell Saalburg in Hessen, wo man Klotz- oder Schindelhacke und runde Eichenzierschindeln fand.

Bis zur Zeit der Karolinger waren Schindelbedachungen selbst bei vornehmen Gebäuden allgemein üblich. Einige mittelalterliche Kirchen – vor allem im Süden Europas – waren mit flachen Steinplatten gedeckt. Im hohen Norden schützen kunstvoll verlegte Holzschindeln seit Jahrhunderten (!) die mit Zimmermannskunst erbauten Stabkirchen. Ein besonders
ansehnliches Beispiel ist die Stabkirche von Borgund in Norwegen, die mit großer Sicherheit aus der Zeit des 12. Jahrhunderts stammt.

Schiefer und Ziegel verdrängten die Schindel

Bis ins frühe Mittelalter war die Holzschindel in fast ganz Europa das am weitesten verbreitete Deckmaterial. Davon merkt man heute nichts mehr. Eine Ursache für den Rückgang des Schindeldaches war das Brandrisiko. In den immer größer werdenden Städten entstanden wegen unzureichender Löschmöglichkeiten und engerer Bebauung immer häufiger große Brände. Dies führte regional sogar zum Verbot des Schindeldaches. Auch infolge der Holzknappheit der kleinen Eiszeit wurde das Schindeldach immer mehr von dem Dach aus Ziegeln und Schiefer verdrängt.

In waldreichen und höhergelegenen Gebieten hat sich das Schindeldach bei Wohn- und
Bauernhäusern bis heute gehalten, regional ist auch die Wandschindelung vorherrschend geblieben, wie zum Beispiel in Vorarlberg (Österreich). 

Um 1987 wurden etwa in Südtirol um die 10.000 Schindeldächer vermutet. Trotz dessen wurde das traditionelle Schindeldach im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend in den Bereich der Kirchen und Museen abgedrängt. 

Ökologie und Nachhaltigkeit

Seit den 1980ern werden durch Konzepte mit besonders widerstandsfähigen Hölzern, die sich um Ökologie und Nachhaltigkeit bemühen, wieder mehr Holzverschindelungen verwendet. Daneben macht sich eine Architekturströmung bemerkbar, die „Neue Alpenarchitektur“ genannt wird. Diese Neue alpine Architektur ist nicht nur experimentierfreudig und weltoffen, sondern auch stark verwurzelt in der Heimat und ihren baulichen Traditionen.

Ziemlich interessant, was für eine Geschichte hinter einer Schindel steckt, die einem auf der Baustelle immer mal wieder so durch die Hände rutscht. Doch mindestens genauso wichtig ist die Schindel heute, denn sie bietet Architekten und uns Zimmermännern einen einfachen Weg etwas Besonderes zu schaffen, das es nicht an jeder Ecke gibt. Das ist auch der Firma Holzbau Müller aus dem Südschwarzwald gelungen.

Bei einem wurden die Schindeln in Kombination mit einem neutralen Putz, dunklen Blechen und einer Stülpschalung perfekt in Szene gesetzt. Die Bauherrin des Einfamilienhauses kommt gebürtig aus dem Schwarzwald und daraus entstand die Idee mit den Schindeln. Da merkt man mal wieder, dass jeder seine eigenen Erinnerungen und Gefühle mit einem Baustoff teilt. In diesem Falle ist es schlicht und einfach gesagt ein Heimatgefühl. Der gelungene Mix aus Tradition und Moderne macht das Haus zu etwas ganz Besonderem und lässt nicht nur die Herzen der Bauherren höher schlagen!

Quellen:

Bild 1: https://www.holidaycheck.de/m/stabkirche-borgund/8abe9737-c9f1-3c8c-bff9-beb5a452fb8f
Bild 2 und 3: Eigene Aufnahmen (von Sabrina Zolg)

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3 Kommentare
Kümmel
24.10.2025

Schöne Sache 

Rona
24.09.2022

Sieht schon verdammt cool aus... aber wie lange hält so ein Schindeldach eigentlich?

Tim Schnack
07.06.2022

Sehr interessant 

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