Fachthemen
SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG
14.04.2022

Dicht ist Pflicht! Luftdichte Anschlüsse fachgerecht ausführen und unkontrollierte Wärmeverluste begrenzen

Die korrekte Ausführung der luftdichten Ebene ist ein wesentlicher Faktor für die energetische Funktion eines gedämmten Daches oder einer Holzrahmenbauwand. Schon kleinste Leckagen in dieser Ebene können zu unerwünschten Wärmeverlusten führen und die energetische Leistungsfähigkeit eines Bauteils schmälern. Doch nicht nur das: In die Konstruktion eindringende Feuchte kann die Bausubstanz dauerhaft schädigen und sich im schlimmsten Fall negativ auf die Gesundheit der Bewohner auswirken. Mit Systemen, bei denen Folien mit Klebebändern, Dichtstoffen und anderen Ergänzungsprodukten abgestimmt werden, lässt sich die Luftdichtheit sicher und fachgerecht herstellen.
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OSB-Platten für Feuchteschutz und Luftdichtheit

Eine ausreichende Luftdichtheit kann je nach bauspezifischen Gegebenheiten zum Beispiel mit der Verlegung von OSB3- oder OSB4-Platten hergestellt werden. Dabei ist insbesondere wichtig, dass 

  • OSB-Platten gewählt werden, die ausreichend luftdicht sind (nicht alle Platten erreichen eine zufriedenstellende Luftdichtheit, vgl. Nusser/Bednar: „Nicht ganz dicht“, Holzbau Quadriga, 04/2017),
  • die Plattenstöße zuverlässig verklebt und 
  • alle Anschlüsse an massive Bauteile entsprechend abgedichtet werden. 

Die Oberflächenbeschaffenheit einiger OSB-Platten macht eine Klebeverbindung prinzipiell schwierig. Vor der Verarbeitung ist deshalb durch eine Probeverklebung zu prüfen, ob das Klebeband auf der jeweiligen OSB-Oberfläche entsprechend den Herstellerangaben haftet. Zudem ist darauf zu achten, dass die Klebebänder später bei der weiteren Bearbeitung der Rauminnenwände keinesfalls beschädigt werden dürfen. Ist mit Bauteilbewegungen zu rechnen, empfiehlt sich der Anschluss mit einer luftdichten Folie, die mit einer Entlastungsschlaufe verlegt wird. So bleibt die Luftdichtheit auch bei leichten Bauteilbewegungen erhalten.

Ein Problem bei der Verwendung von OSB-Platten als luftdichte Ebene besteht immer dann, wenn sich Restfeuchte, etwa durch abtrocknendes Bauholz, in der Konstruktion befindet. Die Platten sind diffusionsbremsend und behindern so die Rücktrocknung. Die Feuchtigkeit kann in diesem Fall nur in einem sehr geringen Maß in die Innenräume abgegeben werden, verbleibt also ggf. langfristig im Bauteil. Die Folge können Feuchteschäden an der Bausubstanz bis hin zu Schimmelbildung sein. Darüber hinaus reduziert Feuchte natürlich auch die Leistungskraft der verlegten Dämmschicht. 

 

Feuchtevariable Dampfbremsen für den Feuchteschutz – die Diffusion wird planbar

Ohnehin sollten Dämmung und luftdichte Ebene grundsätzlich zusammen betrachtet werden. Große Sicherheit bietet deshalb die Kombination von diffusionsoffenen Dämmstoffen mit Luftdichtheitssystemen, die auf feuchtevariablen Dampfbremsen basieren. In dafür geeigneten und fachgerecht ausgeführten Konstruktionen kann diese Kombination die Rücktrocknung vorhandener Feuchte unterstützen. 

Das Wirkprinzip einer solchen Dampfbremse beziehungsweise Klimamembran ist dabei so einfach wie verblüffend. Die meisten Folien, wie etwa die Membranen aus dem Vario® Luftdichheits- und Feuchteschutzsystem von ISOVER, bestehen aus dem Kunststoff Polyamid. Dieser ist hygroskopisch, das heißt er ist „wasseranlagernd“. Damit ist gemeint, dass die Folie bei zunehmender Luftfeuchte Wassermoleküle aus der Luft in ihrer Kunststoffstruktur einlagert. Durch die Einlagerung der Moleküle wird die Kunststoffstruktur der Folie geringfügig geöffnet, sodass andere Wassermoleküle jetzt einfach „hindurchschlüpfen“ können. Die eingelagerten Moleküle wirken also wie ein „Schmiermittel“. Sinkt die Luftfeuchte, werden die Wassermoleküle an die Luft abgegeben und die Folie wird wieder geschlossener. Der Feuchtegehalt in der Folie gleicht sich also stets dem Feuchtegehalt der Luft an. Mit diesem feinen Öffnen und Schließen verändert sich der Diffusionswiderstand der Folie.

Diese Funktion machen sich die Klimamembranen von ISOVER zu nutze. Im Winter ist die mittlere Luftfeuchte an der Folie klein – an der Außenseite hat die Außenluft eine geringe absolute Luftfeuchte, an der Raumseite eine ggf. erhöhte, aber im Mittel ist sie so klein, dass die Klimamembranen diffusionsbremsend sind. Ist die Feuchte im Sommer sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite erhöht, werden die Klimamembranen diffusionsoffen. 

Das Wirkprinzip wird auch im Film zum Vario® Effekt anschaulich dargestellt. 

Diffusion ist eine Folge von Druckdifferenzen des Wasserdampfes innen und außen: Bei einem großen Druckunterschied wird Wasserdampf durch die Bauteile hindurch transportiert. Diese Diffusion findet normalerweise im Winter von innen nach außen statt. Wieviel Feuchtigkeit dabei in die Konstruktion gelangt, hängt vom Diffusionswiderstand (sd-Wert) des Materials ab. Zwar tritt durch Diffusion im Winter auch bei einer variablen Dampfbremse eine kleine Menge Feuchtigkeit in das Bauteil ein, der variable Diffusionswiderstand kann jedoch bei geeigneter Planung den Feuchteeintrag im Winter begrenzen und die Rücktrocknung im Sommer unterstützen. Denn die Klimamembran steuert sowohl den Eintritt des Wasserdampfes als auch seinen Austritt aktiv. Hinzu kommt, dass die Zeit warmer Außentemperaturen in Mitteleuropa länger ist als die der winterlichen Kälte, sodass die Konstruktion im Jahresmittel ausreichend Zeit hat, entsprechend auszutrocknen. Für die geprüften Konstruktionen zeigen die hygrothermischen Berechnungen unter den angegebenen Randbedingungen ein ausreichendes Rücktrocknungspotenzial.

 

Feuchtevariable Dampfbremsen für die Luftdichtheit – auf die Systemkomponenten kommt es an

Die fachgerechte Ausführung der luftdichten Ebene ist also von entscheidender Bedeutung für den dauerhaften Schutz der Bausubstanz. Deshalb investiert ISOVER seit vielen Jahren in die kontinuierliche Weiterentwicklung seines Vario® Luftdichtheits- und Feuchteschutzsystems. Neben verschiedenen Klimamembranen umfasst das Sortiment eine Reihe von Dichtmassen und Klebebändern, zum Beispiel für den luftdichten Anschluss der Membranen an angrenzende Massivbauteile. Mit einer umfassenden Optimierung dieser Komponenten gestaltet ISOVER das Arbeiten mit dem Vario® Luftdichtheits- und Feuchteschutzsystem jetzt noch einfacher. Dank praxisorientierter Sortimentsstraffung und verbesserter Eigenschaften der einzelnen Produkte werden sowohl Beschaffungsaufwand und Lagerhaltung reduziert als auch vielfältigere Anwendungsarten ermöglicht.

 

Verbesserte Rezepturen für mehr Klebekraft und breiteres Anwendungsgebiet

So wurde beispielsweise die Rezeptur der pastösen Vario® DoubleFit Klebe-Dichtmasse grundlegend überarbeitet, was sich ab sofort nicht nur in der neuen Bezeichnung Vario® DoubleFit+ niederschlägt, sondern auch in einer nochmals verbesserten Klebekraft und Dauerelastizität. Die Dichtmasse eignet sich für die Innen- und Außenanwendung und erlaubt die Verarbeitung bei Temperaturen ab -5 °C bis +40 °C. Für zusätzliche Sicherheit – gerade auch auf Winterbaustellen – sorgt der neue Universal-Primer Vario® MultiPrime mit einer Frostbeständigkeit bis -25 °C. Der Primer dient gemäß Verarbeitungsrichtlinie zur Vorbehandlung der dort aufgeführten Untergründe, um die Haftung geeigneter Klebebänder und Dichtstoffe zu unterstützen. 

Apropos Klebebänder: Ebenfalls optimiert wurden die Produkteigenschaften der systemergänzenden Klebebänder wie dem Vario® MultiTape+ und Vario® MultiTape SL+. Neu ins Sortiment aufgenommen wurde das in Rollenform lieferbare Vario® ProTape+ zur Herstellung luftdichter Anschlüsse von Klimamembranen, Dampfbremsen und Unterdeckbahnen. Der doppelseitig selbstklebende Dichtstoff sorgt durch die Verarbeitung „von der Rolle“ für eine einfachere und damit schnellere Verlegung. 

 

Sämtliche Informationen zu seinem Vario® Luftdichtheits- und Feuchteschutzsystem hat ISOVER unter www.isover.de/vario zusammengestellt. 

 

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