Materialengpässe – Auswirkungen Dachhandwerk
Indirekte Auswirkungen
Die am meisten betroffenen Rohstoffe sind Stahl und Bitumen, nicht gerade die wichtigsten Materialien im Zimmererhandwerk. Uns treffen die Auswirkungen vor allem indirekt. So gibt es schon Verzögerungen im klassischen Massivbau, die Maurer beispielsweise bekommen kein Stahl und dadurch verschieben sich die Bauabläufe. Daraus resultieren auch längere Standzeiten bei den Gerüsten, die an anderer Stelle wieder fehlen.
Weiterhin steigen die Transportkosten in Folge der steigenden Energie- und Kraftstoffpreise, dies legen die Hersteller auf die Produkte um. Dabei sind Erhöhungen von 10-15 Prozent keine Seltenheit mehr, Preise gelten nur noch täglich, teilweise sogar stündlich. Die Leittragenden dabei sind die Betriebe, die den Kunden trotzdem eine annehmbare Lösung liefern möchten. „Ein noch nie dagewesener Zustand, der uns von unserer eigentlichen Arbeit abhält“, beschreibt es Michael Zimmermann, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks e. V. (ZVDH) passend - „Wir sind nur noch in Richtung Schadensbegrenzung unterwegs“.
Viele bereits angekündigte Preiserhöhungen sind hier von der Dachdecker-Einkauf Süd eG zusammengefasst.
Bestell-Stopps bei Ziegelherstellern
Ein weiteres Problem sind zudem die Bestell-Stopps einiger Hersteller, gerade bei den Dachziegel-Herstellern haben Handwerksbetriebe damit zu kämpfen. So hat die Braas GmbH im Februar ohne Vorwarnung einen Annahme-Stopp für Dachziegel Bestellungen durchgezogen, demnach sollen die bis 18. Februar eingegangen Bestellungen auf Lieferfähigkeit geprüft werden, eine Garantie gibt es dafür nicht. Alles was danach einging wurde sofort storniert, neue Bestellungen sind erst ab Juni wieder möglich. Beim weltgrößten Ziegelhersteller Wienerberger gilt dieser Bestell-Stopp sogar für das gesamte Jahr 2022.
Dabei stehen wieder die ausführenden Handwerksbetriebe bei solchen Meldungen zwischen den Stühlen, bestehende Aufträge können nicht ausgeführt werden, die Kunden müssen warten, auf unbestimmte Zeit. Eine Planung auf längere Zeit wird zur großen Herausforderung, Kalkulationen mit Preisbindung sogar fast unmöglich. Michael Zimmermann ist vor allem enttäuscht von den Herstellern: „Wo ist denn hier die partnerschaftliche Fairness geblieben, ich halte das für sehr bedenklich.“
Wie sieht es mit Holz aus?
Allgemein ist die Lage bei den Holzbaubetrieben noch entspannt. „Aktuell beträgt die Auslastung im Durchschnitt 22 Wochen. Das ist ein extrem hoher Wert“, zeigt sich Konstantin zu Dohna, Hauptgeschäftsführer von Holzbau Baden-Württemberg erfreut. „Hinzu kommt eine enorme Nachfrage, da die Förderungen der letzten Jahre mittlerweile zu einem gewaltigen Anstieg der Projekte im Neubau wie in der Sanierung geführt haben. Wir befinden uns also in einem Markt, bei dem Geld vorhanden ist, Projekte vorhanden sowie Klimaschutz immer stärker gefördert wird.“ Diese Situation wird allerdings in den letzten Jahren durch die Auswirkungen von Corona und der aktuellen Lage in der Ukraine nicht gerade positiv beeinflusst.
Zwar wird das Thema Material aktuell zum Hauptgesprächsthema, im Bereich der Versorgung mit Holz gibt es hingegen keinen Grund zur Panik: „Holz ist aus heimischer Produktion genügend vorhanden. Doch die Verknappung auf dem Weltmarkt wird wie 2021 zu Preissteigerungen führen.“ Dazu führen vor allem zwei Faktoren, zum einen liefern Russland und Belarus knapp ein Viertel des deutschen Nadelschnittholzes, zum anderen beliefert Russland den gesamten Weltmarkt, was zu einer insgesamt höheren Nachfrage und dementsprechend steigenden Preisen führen wird.
Der Verband fordert trotzdem dazu auf, nun Ruhe zu bewahren und von Hamsterkäufen abzusehen. „Im vergangenen Jahr führte dies nur dazu, dass viele große Mengen Material zu hohen Preisen bestellt hatten und im zweiten Halbjahr, als die Preise längst wieder gefallen waren, mit dem teuren Material kalkulieren mussten“, so zu Dohna. „Wilder Aktionismus führt zu keinen guten Ergebnissen.“
Vielen Dank an Konstantin zu Dohna (Hauptgeschäftsführer Holzbau Baden-Württemberg) und Michael Zimmermann (Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks e. V.). Gerne verweisen wir euch an dieser Stelle auch nochmal an den Dachdecker-Podcast von Michael Zimmermann und Karl-Heinz Krawczyk, in einer aktuellen Folge geht es auch um dieses Thema, es lohnt sich immer dort reinzuhören.
Autor: Marvin Fuchs (Zimmermeister - Restaurator im Zimmererhandwerk)
Bildquelle: Pixabay

Wie löst ihr aktuell die Materialengpässe?
Lion ich danke dir für das Feedback, das ist extrem wichtig um ständig weiter an uns zu Arbeiten!
Danke Marvin wieder ein klasse Artikel , mit sehr viel Mühe und Fachwissen aufbereitet .
Danke auch an Dachdecker-Einkauf Süd eG für das zusammenfassen der Preise( Preiserhöhungen )