Mondholz - Mythos oder Wissenschaft?
Mondholz: Dauerhafter durch Mondkalender?
Beim Thema Mondholz oder auch Mondphasenholz geht es darum, dass das Holz durch den richtigen Zeitpunkt der Ernte "eine besondere natürliche Resistenz gegen Pilze und Insekten" aufweist, so Erwin Thoma. Demnach geht diese Theorie schon auf die Römer zurück, seit dem gab es immer wieder historische Quellen, die dem Zeitpunkt der Holzernte eine besondere Bedeutung zuordneten. Dieser Zeitpunkt ist demnach der abnehmende Mond in der winterlichen Saftruhe der Bäume, dann hat der Baum mehr gebundenes Wasser in sich. Nach dem Fällen soll das Holz zwei bis drei Monate im Wald liegen bleiben, bevor es dann nochmal mehrere Jahre an der Luft getrocknet wird. Dies sorgt wohl für eine stärkere und schnellere Trocknung, welche dichteres Holz zur Folge hat. Diese besonders dichte Eigenschaft ermöglich dann dementsprechend die schon angesprochene Dauerhaftigkeit.
Der österreichische Forstwirt Erwin Thoma ist davon überzeugt, er hat mit seiner "Holz100"-Bauweise ein natürliches System entwickelt, das ganz ohne Schrauben, Leim und Dämmung auskommt. Im modernen Holzbau haben sich auch Massivholzelemente schon lange etabliert, bei diesen wird allerdings noch Leim eingesetzt, um die einzelnen Schichten zusammen zu halten und so eine stabile Wand zu produzieren. Die "Holz100"-Wände sind dabei ähnlich den Massivholzelementen aufgebaut, allerdings wie schon erwähnt ohne Leim. Die kreuzweisen verlegten Schichten werden dabei ausschließlich aus Mondholz gefertigt und mit Holzdübeln verbunden. Die Bezugsquellen für das Mondholz sind dabei sehr regional: "Wir haben langjährige Kooperationen mit den Waldbesitzern rund um unser Sägewerk. Die wichtigste und größte davon besteht mit dem Waldverband Steiermark", führte Thoma aus.
Doch was ist wirklich dran?
Wissenschaftlich belegt ist das Thema angeblich durch eine Studie der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich. Dort hat Prof. Ernst Zürcher im Jahr 2003 ein Forschungsprojekt geleitet, bei dem es um die Zusammenhängen zwischen Zeitrhythmen und Pflanzen ging. In diesem Zuge gab es auch Bewitterungsversuche, welche wohl eine höhere Dauerhaftigkeit des Mondholzes nachgewiesen haben sollen.
Die Technische Universität (TU) Dresden hingegen konnte keine klaren Unterschiede bzw. Vorteile beim Mondholz feststellen. Trotzdem gaben sie 2016 einen Leitfaden raus, der zum vorsichtigeren Umgang mit der Bezeichnung Mondholz aufruft, gleichzeitig aber auch weitere Untersuchungen fordert, denn die Eigenschaften von Holz schwanken demnach so stark, dass Untersuchungen sich schwierig gestalten und über einen langen Zeitraum geführt werden müssen.
Inwiefern das Mondholz wirklich seine Vorteile hat, ist somit zwar rein wissenschaftlich nicht bewiesen, aber das Gegenteil eben auch nicht. Seit einigen Jahrhunderten war das Gang und Gebe, dabei haben sich unsere Vorfahren sicher was gedacht. Noch heute kommt Mondholz in den Einsatz, nicht nur bei den Holz100-Häusern von Thoma, sondern beispielsweise auch bei der Orgel in der Elbphilharmonie in Hamburg. Bei zukünftigen Forschungsergebnissen und neuen Erkenntnissen werden wir euch hier auf dem Laufenden halten.
Weitere Informationen zum Mondholz findet ihr u.a. im Bericht der TU Dresden und bei Erwin Thoma.
Autor: Marvin Fuchs (Zimmermeister - Restaurator im Zimmererhandwerk)
Bildquelle: 1. Pixabay - 2./3. Thoma Holz






Sehr schöner Artikel!
wir als Zimmererei halten uns genau an die hier beschriebene Situation und sind sehr überzeugt davon!
Vielen Dank für euer positives Feedback, das freut mich sehr ☺️
Gut geschrieben!
Immer wieder fragen Kunden auch bei uns speziell nach Mondholz. Ob was dran ist oder nicht: Wenn das zum Wohlbefinden der Bauherren beiträgt, machen wir das möglich 👍🏻
Als ich zum ersten Mal von Erwin Thoma und seinen "Holz100"- Wänden gehört habe konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, weshalb der Zeitpunkt der Ernte Einfluss auf die Dauerhaftigkeit des Holzes haben könnte. Dieser Beitrag hat mir geholfen, den Ansatz zu verstehen.
Danke für die Information 🙂👍🏻
Ein sehr informativer Beitrag sehr gut ergänzt durch die Berichte von Thoma Holz und dem Tu Bericht