Aktuelle Lage am Markt - Erlass zur Preisanpassung
Zusammenfassung der aktuellen Situation
Fast täglich gibt es Meldungen über steigende Preise. Bestellungen werden storniert, es gibt Annahmestopps und lange Wartezeiten. "Wir können heute nicht sicher sagen, ob genügend Material für alle Baustellen in Deutschland vorhanden sein wird", äußerte sich Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) zu diesem Thema.
Vor allem Produkte aus Stahl und Bitumen sind direkt betroffen, so haben die meisten Stahlwerke ihre Produktion heruntergefahren oder sogar eingestellt. Auf Deutschlands Baustellen drohen lange Verzögerungen oder sogar Baustopps. "Einen Baustopp für eine Vielzahl von Projekten kann ich heute aus diesem Grund nicht sicher ausschließen", sagte Müller.
Auch im Bereich der Angebotserstellung hat das weitreichende Folgen. Eine realistische Kalkulation ist aufgrund der steigenden Preise mittlerweile fast unmöglich. Die meisten Lieferanten geben Preise nur noch mit einer Gültigkeit von Stunden an. Dies betrifft vor allem Produkte, welche aus den Rohstoffen Stahl, Aluminium und Bitumen hergestellt werden.
Auswirkungen für das Dachhandwerk
Die meisten Probleme wird es im Straßenbau und bei Großbaustellen geben, aber auch wir Zimmerer und Dachdecker sind betroffen. So gibt es beispielsweise Schwierigkeiten bei der Materialversorgung mit Schrauben und Nägeln. Gerade im Massivbau gibt es Verzögerungen durch den fehlenden Stahl. Aber auch indirekt haben die Sanktionen Auswirkungen. So steigen die Energie- und Kraftstoffpreise durch die Abhängigkeit von Russland in Sachen Öl und Gas auf Rekord Niveau. Dies wirkt sich in einer riesigen Kettenreaktion auf den gesamten Lieferverkehr aus, auch die Produktion wird teurer. Einige Dachziegelhersteller nehmen vorübergehend keine Bestellungen mehr an und auch bei Bitumenbahnen wird es knackig. Dazu allerdings mehr im zweiten Teil dieses Beitrags, welcher voraussichtlich Anfang nächster Woche erscheinen wird.
Erlass der Bundesregierung
Um die Preissprünge während der Bauprojekte bei öffentlichen Bauten etwas abzufedern, hat die Bundesregierung in Form von Bundesbauministerin Klara Geywitz und Bundesverkehrsminister Volker Wissing nun einen Erlass veröffentlicht. Mit diesem Erlass sollen Lieferengpässe und Materialpreisänderungen für öffentliche Bauvorhaben einheitlich geregelt werden. Bauverträge sollen demnach ab sofort mit Preisgleitklauseln versehen werden, so ist eine Anpassung an die Marktentwicklung jederzeit möglich. Auch für bestehende Verträge soll es die Möglichkeit geben, Preise nachträglich anzupassen. Der Erlass gilt mit sofortiger Wirkung und zunächst mit einer Frist bis zum 30. Juni 2022. Für öffentliche Bauvorhaben ist dieser verbindlich und betrifft u.a. Stahl, Aluminium, Kupfer, Epoxidharze, Zement, Holz, sowie sämtliche Erdölprodukte (Bitumen, Kunststoffrohre, Folien und Dichtbahnen, Asphaltmischgut).
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), zeigte sich erfreut über diese Lösung: "Engpässe bei Baustoffen und Preissprünge bestimmen derzeit das Baugeschehen und machen eine seriöse Kalkulation von Bauprojekten zunehmend unmöglich. Angesichts dieser schwierigen Ausgangslage begrüßen wir den Erlass des Bundes ausdrücklich. Dadurch werden die Bauunternehmen überhaupt erst wieder in die Lage versetzt, Angebote abgeben zu können."
In diesem ersten Beitrag ging es vor allem um die Aufklärung der aktuellen Gesamtlage. In wenigen Tagen erscheint dann hier der zweite Teil, dieser wird das Ganze Thema speziell für uns Dachhandwerker nochmal weiter ausführen. Um euch bestmöglich informieren zu können sprechen wir dazu auch mit den Verbänden, also bleibt dran.
Hier gehts zum Erlass der Bundesregierung
Autor: Marvin Fuchs (Zimmermeister - Restaurator im Zimmererhandwerk)
Bildquelle: Pixabay

Wird immer schlimmer 🙈
Das Thema betrifft uns auch. Durch die Preissteigerungen von 25 und mehr Prozent bekommen Eigenheimbauer die Baukosten nicht mehr finanziert. Zudem ist eine seriöse kalkulation nicht möglich wenn Materialpreise angeboten werden mit 12 odermehr Wochen Lieferzeit und einer Abrechnung nach den Preisen zum Zeitpunkt der Lieferung. Ähnlich ist das auch bei den Entsorgungskosten. Der Preis bei Entsorgung des Material auf der Deponie wird abgerechnet und der kann sehr viel höher sein, als bei Vertragsabschluss. Zudem noch der Entfall der KfW Förderung für die Bauherrn. So wird der Eigenheimmarkt nur noch für bessergestellte Einkommen leistbar.
Ein schwieriges Thema aktuell - der zweite Teil mit den Auswirkungen speziell auf das Zimmerer- und Dachdeckerhandwerk folgt an dieser Stelle am Wochenende. Viele interessante Informationen und das aus erster Hand!
Nicht mehr normal.
Wahnsinn, echt...