Voll im Trend - Holzrahmenbau
Holzrahmenbau umsetzen
Der sich schon seit einigen Jahren abzeichnende Trend spiegelt sich auch in den Portfolios der Zimmereibetriebe ab. Schon jetzt bieten viele Holzbauer ihren Kunden Häuser in Holzrahmenbau und ähnlichen Bauweisen an. Doch welche spezifischen Möglichkeiten der technischen Umsetzung gibt es eigentlich? Und was muss dabei rechtlich beachtet werden?
Holzrahmenbau ist beliebt
Bei dieser beliebten Systembauweise, bei der die Bauteile nach einem standardisierten Konstruktionsraster zusammengefügt werden, sind baulich wie gestalterisch viele Variationen möglich: Flexible Grundrisse und Anordnung von Fenstern und Türen, freie Fassadengestaltung und Dämmstoffauswahl, mannigfache Möglichkeiten in Punkto Beplankung, Wandstärken und Energieeffizienz.
Kurze Bauzeit
Ein für die Etablierung und Verbreitung von Holzrahmenbau relevanter Faktor ist nicht nur die Flexibilität und Nachhaltigkeit des Baustoffes, sondern auch die Bauphase vor Ort, welche durch die Vorfertigung im Unternehmen verkürzt wird und so die Baukosten senkt: Laut Deutscher Holzfertigbau-Verband e.V. „beträgt die Bauzeit nur etwa die Hälfte des im konventionellen Hausbau Üblichen."
Technische Umsetzung
Je rationalisierter die Vorfertigung desto effizienter der Bau. Dafür greifen spezialisierte Unternehmen auf eigens für die Vormontage von Holzbaufertigteilen produzierten Montagehilfen zurück. Dazu gehören beispielsweise spezielle Montageplatten, die mit integrierten Maßbändern, variablen Anschlägen und praktischen Spannmechanismen präzise und flexible Produktion von Wandbauteilen ermöglichen. Oft sind diese schwenkbar, sodass zum Beispiel auch Dachteile in passender Dachneigung vorproduziert werden können. Oftmals werden die Tische durch besondere Kräne ergänzt, die mit geringem Aufwand die Wandelemente in der Werkshalle für die rückseitige Bearbeitung drehen oder transportieren. Alternativ kann man auf Montagetische, sogenannte Gebertische oder Aufrichttische, zurückgreifen, welche von Nehmertischen, auch Empfängertischen, ergänzt werden und gemeinsam als Wendetisch, auch genannt Butterfly Table oder Schmetterlingswender, fungieren. Hersteller dieser spezifischen Technologien sind beispielsweise die deutschen Unternehmen HOMAG Deutschland und KomTec – Full-Service-Technologie, die schweizer Firma Woodtec Fankhauser GmbH oder die schwedische Firma Randek.
Auch in kleinem Rahmen möglich
Natürlich setzt eine Umsetzung dieser Art hohe Anforderungen an das bauende Unternehmen: Neben einer Menge Platz braucht es finanzielle Mittel, Willen und Mut zur Investition sowie gut ausgebildetes Personal, dass die Geräte effizient bedienen kann. Doch auch ohne speziellen Maschinenpark lassen sich schon kleinere Projekte umsetzen: Schon eine gerade, plane Fläche auf Böcken von Größe der Wand oder ein ebener Fußboden können für gelegentliche Holzrahmenbauprojekte die Montagebasis bilden.
Qualitätssicherung und Zertifizierung
Wie zu erwarten gibt es beim Holzfertigbau baurechtliche Vorschriften für die ausführenden Firmen. Was einerseits nach bürokratischem und finanziellem Mehraufwand klingt, dient andererseits der Qualitätskontrolle und bietet Sicherheit für die Kundschaft. Geht der Grad der Vorfertigung über einseitig beplankte Wände hinaus, ist eine Zertifizierung rechtlich verpflichtend. Diese wird durch entsprechende PÜZ-Stellen (Prüfung - Überwachung - Zertifizierung), die vom DIBt anerkannt sind, vorgenommen. Damit erhält das Unternehmen die Berechtigung, nach Produktionsprüfung im Werk Ü-Zeichen (Übereinstimmungskennzeichnungen) auf den Bauteilen anzubringen. Auch ist es möglich, die Qualität mittels RAL-Gütegemeinschaften zu sichern. Basierend auf regelmäßiger externer Überwachung dürfen die Unternehmen zum Beispiel das Gütezeichen RAL-GZ 422 Holzhausbau verwenden. Möchte man die Produkte außerhalb Deutschlands innerhalb der EU verkaufen, ist zusätzlich eine CE-Kennzeichnung vorgeschrieben.
Chance für Klima, Wirtschaft und Verbraucher
Trotz Rohstoffkonkurrenz lohnt es sich für große wie kleine Unternehmen, für Verbraucher und für den Klimaschutz am Holzrahmenbau festzuhalten und diesen weiterzuentwickeln. Flexible, individuelle Baulösungen kombiniert mit kostengünstiger und schneller Bauweise machen diesen nicht nur für den Neubau von kleineren Ein- und Zweifamilienhäusern, mehrgeschossigen Gebäuden wie Schulen oder Verwaltungsgebäuden interessant, sondern gewinnt bei zunehmender Verdichtung in Städten, wo zunehmend im Bestand saniert, gebaut, umgenutzt und aufgestockt wird, an Bedeutung. So vielfältig die Anwendung, so verschieden können die ausführenden Unternehmen sein. Je nach Projektdimension auf der einen und technischer und personeller Ausstattung auf der anderen Seite bietet Holzrahmenbau - von spezialisierten Industriebetrieben bis hin zu Kleinbetrieben - eine Chance, an klimafreundlichen Bauweisen mitzuwirken und den Holzbau zukunftsweisend voranzubringen.
Laut Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V. ist die Quote der genehmigten Wohngebäude in Holzbauweise in Deutschland im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser 2019 bis 2020 von 21,3 % auf 23,1% gestiegen.
Bildquellen
EFH Holzrahmenbau Titelbild
https://www.franz-stracke.de/fileadmin/template/images/high/Holzrahmenbau_02.jpg
Wendetisch/ Schmetterlingswender - WEINMANN Holzbausystemtechnik GmbH
Ü-Zeichen: http://egle-gutachten.com/wp-content/uploads/2017/07/gutachten_holzhaus_uezeichen.jpg
RAL-Prüfsiegel: www.ghad.de
Verfasser: Magdalena Halekotte











