Zimmerinnen im Gespräch
ZT: Wie kam es, dass Du Zimmerin werden wolltest?
Lena: Eigentlich kam ich über Umwege dazu. Nach dem Abi bin ich 2 Jahre durch die Welt gereist und habe dabei immer in handwerklichen Jobs gearbeitet. Als ich wieder zuhause war, wollte ich Agrarwissenschaften studieren, habe aber ziemlich schnell festgestellt, dass das nichts für mich ist. Ich wollte werken. Über einen Nebenjob in einer Zimmerei habe ich mich später für die Ausbildung entschieden.
ZT: Wie hat Dein Vater darauf reagiert?
Lena: Mein Vater fand das gut. Er hat immer gesagt mach, worauf Du Lust hast. Mach eine Ausbildung und was Du später einmal daraus machst, bleibt Dir überlassen.
ZT: Was war das schönste Projekt für Dich?
Lena: Wir haben eine große Halle, in Summe 600 m², mit 40 m x 15 m gebaut. Das war für uns ein Riesenprojekt, weil die ganz großen Holzteile mit Kranmontage aufgestellt werden mussten. Diese Halle zu bauen war für mich das Nonplusultra.
ZT: Welches Traumprojekt würdest Du gerne mal verwirklichen?
Lena: Noch in diesem Jahr starten wir mit dem Bau einer kompletten Reitanlage mit Stall und Reithalle. In Summe werden über 900m³ Holz verbaut. Ich kann es kaum erwarten loszulegen.
ZT: Hast Du ein Lieblingswerkzeug?
Lena: Eins meiner Lieblingswerkzeuge ist der Balkenzug. Es ist faszinierend, wie man mit so einem kleinen Werkzeug so viel bewegen kann. Was auch super ist, ist die Kappsäge. Die hat einen schönen Anschlag und man sich alles ganz akkurat aufbauen.
ZT: Würdest Du Deiner Tochter raten, Zimmerin zu werden.
Lena: (lacht) Meine Kinder gehen ja jetzt schon mit ihren Zimmererwesten in den Kindergarten. Für mich gilt das gleiche, wie es mein Vater bei mir gemacht hat. Wenn meine Tochter Zimmerin werden will, dann ist das für mich auf jeden Fall ok. Ich würde keinem Mädchen davon abraten eine Zimmererlehre zu machen.
ZT: möchtest Du sonst noch etwas loswerden?
Lena: Ich würde jedem Jugendlichen mitgeben, dass eine Baustelle auf jeden Fall etwas ist, das jedes Geschlecht bedient. Vorurteile sind hier nicht berechtigt. Die Arbeit ist für eine Frau genauso zu machen wie für einen Mann.
Danke für Deine Zeit, Lena!



