Lehmbau - für ein gutes Raumklima
Ökologischer und regionaler Baustoff
Lehm besteht aus Ton, Schluff, Sand und Kies. Er ist fast überall zu finden und somit ein regionaler Baustoff, der allein durch das Befeuchten und wieder Trocknen zum Bauen verwendet werden kann. Durch seine Eigenschaft Wasserdampf aufzunehmen und abzugeben, sorgt Lehm für ein optimales Raumklima, da er die Luftfeuchtigkeit so auf natürlichem Weg regulieren kann. Mischt man dem Lehm die passenden Zusatzstoffe bei, kann er für viele verschiedene Einsatz Bereiche genutzt werden. Egal ob Stampflehm, Strohlehm oder Leichtlehm – ob Lehmschüttung, Lehmmörtel, Lehmsteinen oder sogar Lehmbauplatten für den Einsatz im Trockenbau.
Lehm im historischen Holzbau
Schon vor Jahrhunderten wurde Lehm mit dem Holzbau kombiniert. Im 13./14. Jahrhundert wurde er vor allem im Flechtwerk eingesetzt, die Holzbauten wurden zu dieser Zeit noch ohne Riegel gebaut und daher gab es Wand hohe Starken, die dann mit Flechtwerk und Lehm geschlossen wurden. Mit dieser Technik wurden auch Trennwände gebaut. Auch später wurden noch Ausfachungen mit Flechtwerk hergestellt. Im Deckenbereich wurden sogenannte Lehmwickel eingesetzt, dabei wurden die Balken geschlitzt und darin die Lehmwickel, bestehend aus einer Starke umwickelt mit langhalsigem Stroh und Lehm.
Auch Mauerwerk aus Lehmsteinen gibt es, verbunden mit Lehmmörtel. Diese Steine gibt es in verschiedenen Klassen, für diese Bereiche sollten keine Leichtlehme verwendet werden und beim Ausmauern der Gefache sollte man stehts von oben nach unten vorgehen. So sind die Verbindungen unter voller Belastung und statisch ist dies zudem kein Problem, da die Ausfachungen keine tragende Rolle übernehmen.
Sogar ganze Häuser wurden aus Lehm gebaut, Stampflehm. Analog zum Betonbau wird dabei mit Schalungen gearbeitet und der Lehm stark verdichtet. Mit dieser Technik lassen sich zudem sehr schöne Fußböden herstellen.
Im modernen Bau ist Lehm vor allem in Form von Lehmbauplatten eine echte Alternative, diese ermöglichen einen schnellen Trockenbau mit wärmedämmenden und feuchteregulierenden Eigenschaften. Die Platten werden nach hohen Qualitätsansprüchen gefertigt, weshalb eine dünne Schicht aus Lehmputz schon das perfekte Finish bewirken kann.
Fachkraft für Lehmbau
Seit 2002 gibt es vom Dachverband Lehm e.V. eine von den Handwerkskammern anerkannte Weiterbildung auf diesem Gebiet. So ist es mittlerweile möglich mit dieser Weiterbildung eine Eintragung in die Handwerksrolle zu erreichen, dabei ist ein Gesellenbrief im Bauhandwerk ausreichend. Der Kurs besteht sowohl aus Praxismodulen als auch aus betriebswirtschaftlichen Teilen, dabei werden alle oben genannten Techniken behandelt, zudem auch Themen wie Wandheizungen und die Grundlagen aus Rechnungswesen vermittelt. In diesem Jahr finden zwei Kurse statt, einer im Mai 2022 am Zimmerer-Ausbildungszentrum in Biberach und einer im Juli 2022 an der Ahr.Akademie in Bad Neunahr-Ahrweiler.
Weiterführende Informationen:
- Fachkraft für Lehmbau - Dachverband Lehm e.V.
- Lehmbau-Praxis Planung und Ausführung U. Röhlen / C. Ziegert
Autor/ Fotos: Marvin Fuchs – Zimmermeister, Restaurator im Zimmererhandwerk
Ich werde den Kurs im Juli an der Ahr besuchen um ergänzend zum Restauratorenkurs, in welchem wir ein paar Einblicke in das Thema bekamen, mein Wissen und meine Fertigkeiten im Lehmbau auszubauen und zu vertiefen.




sehr gutes buch! zu empfehlen