An den Wolken kratzen
Holzbau im urbanen Raum
Bis in die 90er Jahre war der Holzbau über Jahrhunderte eine fast ausschließlich ländliche Bauweise, doch dann wurde das Potential des Baustoffs Holz entdeckt. Und neben den Neubauten zur Schließung von Baulücken, liegt die Stärke vor allem beim Bauen im Bestand. Der Raum ist begrenzt, immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Eine hervorragende Lösung dabei: Aufstockungen. Und da kommt der Holzbau ins Spiel, kurze Bauzeiten durch Vorfertigung, geringes Gewicht um das statische System der Bestandsgebäude nicht zu zerstören. Ein riesen Potential für die ganze Branche, aber Manche denken einfach größer...
Holz bis in den Himmel
Das erste Holz-Hochhaus wurde 2015 in Norwegen gebaut, ein 14 geschossiger Bau mit über 50 Metern Höhe. Zu diesem Zeitpunkt ein riesen Gesprächsthema, bis dann 2018 die Kollegen aus Österreich das "HoHo" in der Hauptstadt Wien bauten. Mit 84 Metern galt es mit Abstand als das höchste Holzhaus der Welt. Dieses Projekt war ein stückweit Pionierarbeit, denn der mediale Boom dieses Konzepts schlug Wellen in die internationalen Städte. Das Thema Bauen mit Holz gewann an Relevanz. Es gab hunderte redaktionelle Artikel und insgesamt stundelanges Videomaterial für TV-Beiträge und Online-Medien.
Mittlerweile ist der Rekord aus Wien geknackt, in Brumunddal in Norwegen wurde das Mjøstårnet 2019 als offiziell höchstes Gebäude aus Holz eingestuft, mit 85,5 Metern. Dazu nutzten sie eine Holzkonstruktion auf dem Dach, die im Nachhinein für die Rekordhöhe sorgte, geplant waren ursprünglich nur 81 Metern. In diesem Zuge kam auch die Diskussion auf, was überhaupt als Holzhaus zählt. Der "Council of Tall Buildings and Urban Habitat" (CTBUH), der die höchsten Gebäude der Welt kürt, fordert in diesem Ranking nun einen reinen Holzbau. Das Mjøstårnet in Norwegen erfüllt diese Anforderungen, in Wien allerdings handelt es sich um einen Hybridbau mit Betonkern.
Genau dies war für die Macher des "HoHo" allerdings wichtig, denn diese sehen die Zukunft in der Kombination der Bauweisen um die Vorteile voll auszunutzen. "Jedes Material wird so eingesetzt, dass es jeweils am besten den unterschiedlichen Anforderungen an Statik, Brandschutz, Flexibilität, Ökonomie und Raumqualität entspricht", so Rüdiger Lainer (Architekt des HoHo).
Ein Blick in die Zukunft
Ist der Grundstein einmal gelegt und eine gewisse Höhe erreicht, sind dem Ganzen keine Grenzen mehr gesetzt. So sind aktuell einige Projekte in Planung oder schon im Bau. In Sidney ist das Atlassian HQ mit einer unglaublichen Höhe von 180 Metern geplant, im niederländischen Eindhoven soll Holland endlich eine Gipfel bekommen, die "Dutch Mountains", wie die 100 und 130 Meter hohen Türme aus Holz heißen sollen. Weltweit gibt es solche Ideen und Projekte, egal ob Melbourne, Milwaukee oder Hamburg.
Das Alles wird von den Planungen aus der japanischen Hauptstadt Tokio getrumpft, dort sollen auf Sage und Schreibe 350 Metern Geschäfte, Hotels, Büros und Wohnungen entstehen. Ein Wolkenkratzer der seinen Namen verdient und zum 350. Jubiläum der Holzbaufirma Sumitomo Forestry im Jahre 2041 eröffnet werden soll. Um die Erdbeben-Gefahr zu bewältigen soll es ein außenliegendes Stahlgerüst zur Stabilisierung geben.
Stolperfalle Bauordnungen
Auch ein deutsches Projekt steht an, das "WoHo" in Berlin. Dort wird im Stadtteil Kreuzberg ein ganzer Wohnblock in Holzbauweise realisiert, als Highlight soll das "WoHo" mit knapp 100 Metern Höhe errichtet werden. Hier setzt man ähnlich wie in Wien auf eine Hybridbauweise, dementsprechend wird der Kern mit Treppenhäusern und Fahrstuhlschächten aus Beton sein.
Gerade in Deutschland sind die Bauordnungen größtenteils sehr veraltet, Holz wird im Hinblick auf Brandschutz immer noch sehr kritisch eingeordnet. Dabei ist es mittlerweile erwiesen, dass die Eigenschaften im Brandfall sogar ziemlich gut sind, aber dies ist ein Thema was man nochmal ausführlicher betrachten muss. Nach und nach ist allerdings immer mehr möglich mit Holz, auch wenn die Gebäude in die Höhe gehen, und dies ist Pilotprojekten wie dem HoHo in Wien zu verdanken.
Dieser Beitrag kann natürlich nur einen Bruchteil des ganzen Themas beleuchten, deswegen befinden sich unten noch ein paar Empfehlungen zu Artikeln, die nochmal detaillierter in die Materie einsteigen. Schaut dort auch ruhig nochmal vorbei.
Weitere Informationen:
- Zwei Gipfel für Holland - The Dutch Mountains (ubm. magazin)
- WoHo Berlin - (ubm. magazin)
- Mjøstårnet in Brumunddal (baunetz_wissen)
- HoHo Wien
Vielen Dank an Frau MMag. Romana Hoffmann vom HoHo in Wien für das Bereitstellen der Bilder!














Stark
Dankeschön - freue mich immer über Feedback. Leider sind einige Bundesländer mit der Bauordnung noch weit hinterher, aber das ist eine der Aufgaben unserer Generation, dies zu ändern!
Mega, starker Beitrag!
Muss jetzt nur noch endgültig in den Köpfen ankommen, dass Holzbau auch Höhe kann ;-)