Ein Bully aus Holz lässt die Herzen höherschlagen
Eine neue Idee musste her
Für den Kindergarten, in dem der Bully jetzt steht, hat Thorsten McCarthy schon viele Spielgeräte gebaut. Eine neue Idee musste her. Und der Berliner hatte einen Geistesblitz: Es sollte ein T1-Bus aus Holz werden, der auch die Eltern begeistert. Dann wechselte die Kindergartenleitung, und das Projekt lag erstmal auf Eis. Doch eines Tages entdeckte die neue Leiterin das Angebot für den Holz-Bully und fragte an, ob dieses noch in die Tat umgesetzt werden könne. Thorsten McCarthy sagte ja.
Ein Lenkrad von Ebay
Er holte Frank Zimmer ins Boot, und beide beschlossen, einen Prototyp zu bauen. „Wir wollten schauen, ob das Ding auch bei VW unterzubringen ist“, blickt der Berliner zurück. Doch keine Reaktion des Konzerns kam laut McCarthy: „Nach zwei Monaten erhielten wir grad mal eine Bearbeitungsnummer. Also haben wir gesagt, wir fangen jetzt einfach mal an.“ Das Originallenkrad eines Bullys, das eigentlich geplant gewesen wäre, wäre für das Spielgerät ohnehin zu groß geworden. Allerdings ergatterten die beiden Zimmerer ein Käfer-Lenkrad zum Schnäppchenpreis. „Das war so günstig, dass wir gesagt haben, hoffentlich schickt der das überhaupt“, gibt McCarthy schmunzelnd Einblick. Doch es trudelte ein.
Verschiedene Hölzer treffen sich
Beim Bau des Busses treffen sich verschiedene Handwerkstechniken – und auch verschiedene Holzarten. „Da der Bus im Sandkasten steht, musste der Sockel mit Feuchtigkeit klarkommen und besteht daher aus Robinienholzbohlen. Robinie kann Nässe, ist aber auch so bockig, wenn die anfängt zu arbeiten, dann macht sie, was sie will“, sagt der Zimmerer mit einem Augenzwinkern. Bis zu den Scheiben hinauf besteht das Gerät dann aus Eichenblöcken. „Die haben wir mit großen Zwingen zusammengeballert und mit der Kettensäge in Form gebracht.“ Auch das Innenleben wurde mit der Kettensäge gestaltet und nachgeschliffen, Sitzbänke und Co. bestehen aus Douglasie. Auch das Dach ist Douglasie: „Als harzhaltiges Rotholz hält auch die Douglasie Feuchtigkeit aus.“ Problem waren erst die Scheiben: „Der Wind peitschte den Sand permanent über das Plexiglas, und so war es nach drei Wochen blind. Wir haben dann ein Zweischichtglas reingesetzt, jetzt passt alles.“
Vier Wochen Bauzeit und große Begeisterung
Vier Wochen haben die Verantwortlichen an dem Bully gebaut. Acht große Müllsäcke Sägespäne blieben übrig. Kollegin Anne Wundrak schnitzte die Spiegel, die beweglich angebracht wurden, damit die Kinder nicht hängen bleiben konnten. „Kinder, aber auch Eltern waren von Anfang an hin und weg von dem neuen Bus“, freut sich Thorsten McCarthy. Geld habe man mit dem Gerät nicht verdienen können. Zumal sich dann, als der VW-Bus schon fast fertig war, dann auch VW gemeldet habe und keine Zusammenarbeit angeboten habe, sondern im Gegenteil eine Lizenzgebühr erhoben, die man dann berappt habe. Deshalb wird der Bully auch ein Einzelstück bleiben.
Ein Zimmerer, der Spielgeräte baut
Dafür hängt sich Thorsten McCarthy bei seinen anderen Spielgeräten umso mehr rein. Seine Firma Kitaholzberlin fertigt im Sommer Schaukeln, Klettertürme und Co., im Winter Spieletagen aus Holz, mit denen der Platz zum Toben in Kindergärten und Kitas vergrößert werden kann. 2008 hat er die Firma übernommen. Gelernt hat er Zimmerer, dann mehrere Jahre Musik gemacht, bevor er wieder zurück ins Handwerk kam und bei einer Spielgerätefirma anheuerte. Danach machte er sich selbständig. „Man kann mit dieser Art von Produkten die handwerklichen Fähigkeiten gut mit der Kreativität kombinieren“, weiß er. Der Bully aus Holz legt davon Zeugnis ab. Er sieht noch immer gut aus. Nur die Hupe funktioniert zur Erleichterung der Nachbarn nicht mehr – die kleinen Fahrgäste haben einfach zu oft draufgedrückt.

















