Auf dem Meisterweg ausgebremst: Zimmerer wehrt sich gegen 2G-Regel
Ungeimpfte vom Unterricht ausgeschlossen
Maximilian Grüner ist gerade dabei seinen Zimmerermeister zu machen und bislang ungeimpft. Er hegt Bedenken gegen die gängigen Corona-Impfstoffe, betont aber kein Querdenker oder Corona-Leugner zu sein. Da die 2G-Regel in den bayerischen Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern Pflicht ist, ist er – wie viele andere auch – nun vom Unterricht ausgeschlossen.
Viele Handwerker betroffen
Mit seinem Widerstand ist Maximilian Grüner nicht allein. Am 26. November 2021 gründete er eine WhatsApp-Gruppe, um sich gegen die 2G-Regel an der Meisterschule zu wehren, die im 15. bayrischen Infektionsschutzgesetzes steht. Er fühlt sich „vom Unterricht ausgeschlossen.“ Und dies ziehe sich durch sämtliche Berufsgruppen im Handwerk.
Es seien nicht nur Meister betroffen, sondern auch über 130 Ausbildungsberufe. „Binnen fünf Tagen konnten über eine von uns erstellte WhatsApp-Gruppe und Kontakte eine betroffene Anzahl von 340 Leuten ermittelt werden. Von denen haben sich 41 Betriebe, 60 Meisterschüler und angehende Techniker, 17 Angestellte, die Erhaltungskurse besuchen müssen, 25 Auszubildende und zwei Betriebswirte namentlich und fachspezifisch gemeldet“, bilanziert er.
Der Brief vom Anwalt
Maximilian Grüner pausiert nach eigenen Angaben vom Job, um seinen Meister zu machen. Jetzt fühlt er sich ausgebremst. Deshalb hat er mit einem weiteren Betroffenen den Anwalt Mario Bögelein aus Forchheim eingeschaltet. Dieser hat laut Grüner einen Brief an das bayerische Gesundheitsministerium und das bayerische Wirtschaftsministerium geschrieben mit der Bitte um Stellungnahme.
Auf Facebook äußert sich der Anwalt folgendermaßen: „Testen ist unerlässlich, auch nach einer Impfung. Warum müssen dann Meisterschüler massive berufliche und wirtschaftliche Nachteile und Schäden hinnehmen, wenn sie sich nur testen? Obwohl wir die Ministerien bereits am 02.12.21 um Stellungnahme ersucht haben und eine Solche ausdrücklich angekündigt wurde, steht die Antwort auf unsere Eingabe noch aus.“
„Verantwortung ist gefragt“
Wie Maximilian Grüner der Redaktion des Zimmerer-Treffpunkts sagt, seien die Betroffenen keine Corona-Leugner, ganz im Gegenteil: „Ich denke, dass es den Leuten zuzutrauen ist, verantwortungsvoll zu handeln. Wir haben uns jetzt 22 Monate lang nicht angesteckt, weil wir uns privat so zurückgehalten haben, halten Abstand und die Regeln ein, und das soll auch so bleiben.“
Das Statement des Wirtschaftsministeriums
Die Redaktion des Zimmerer-Treffpunkts hat beim bayerischen Wirtschaftsministerium nachgefragt, ob man Ungeimpfte vom Handwerk ausschließe. Daraufhin haben wir folgende Stellungnahme bekommen: „Es ist nicht zutreffend, dass ungeimpfte Meisterschüler vom Handwerk ausgeschlossen sind, da sie ihrem Beruf nach wie vor nachgehen können. Sie sind aber vom Unterricht in der Meisterfortbildung ausgeschlossen, soweit dieser zwingend in Präsenz erfolgen muss, da hier die 2G-Regel gilt, wie in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens auch. Daher kommt diese Regelung nicht überraschend. Nachdem der Präsenzunterricht aufgrund der Corona-Pandemie als erste Reaktion im März 2020 eingestellt wurde, wurden die theoretischen Inhalte ab Ende April 2020 im Homeschooling vermittelt. Die praktischen Unterrichtsinhalte wurden aber weiterhin in Kleingruppen vermittelt“, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums.
Angesichts einer großen Zahl an Handwerksbetrieben im Generationenwechsel, die zur Betriebsübernahme anstehen, und der Suche nach Fachkräften seien Handwerksmeister dringend benötigt, so der Sprecher des Freie Wähler-geführten Ministeriums: „Wir müssen zeitnah dafür sorgen – sollten die Zahlen es wieder zulassen -, dass wieder alle Meisterschüler am Unterricht teilnehmen können.“
Bild: Maximilian Grüner
