Fachthemen
Zimmerer-Treffpunkt
26.11.2021

Dachziegelmangel erschwert Zimmerern die Arbeit

Erst das Holz, jetzt die Ziegel: Viele Zimmerer tun sich derzeit ganz schön schwer, die benötigten Dachziegel zu bekommen. Grund ist die gestiegene Nachfrage nach dem Baumaterial, hat unsere Recherche ergeben. Gar nicht leicht für die Branche: Es muss langfristig geplant und gut disponiert werden. Die Gründe für die derzeitige Dachziegelknappheit und wie Zimmerer damit umgehen, erfahrt Ihr hier.
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Umfrage: Ein Thema, das die Betriebe umtreibt

Tatsächlich ist es ein Thema, das vermutlich knapp die Hälfte der Zimmererbetriebe in Deutschland derzeit betrifft. Der Zimmerer-Treffpunkt hat eine Umfrage gestartet mit der Frage „Bist Du von den Lieferengpässen bei Dachziegeln betroffen?“ Knapp 500 Zimmerer haben sich beteiligt. 47 Prozent davon haben mit Ja geantwortet, 53 Prozent davon mit Nein.

Langfristige Planung und Vorleistung nötig

Einer der Zimmerer, der mit dem Mangel umgehen muss, ist Thomas Muschelknautz von der Zimmerei Muschelknautz in Baden-Württemberg. Er sagt. „Früher hat man beim Bau eines Daches die Anzahl der Ziegel abgezählt, wenn man soweit war, und dann war das Material in drei Tagen da. Heute muss man echt langfristig planen.“

Die Ziegel, die er voraussichtlich im Februar oder März braucht, ordert er also schon heute. Das bedeutet aber auch, dass er dabei teils in Vorleistung gehen muss – und dass er gut kalkulieren muss. Noch kommt er damit klar und hofft, dass sich die Lage nicht verschärft. „Ich musste aber den Anbieter wechseln, weil ich mit der Qualität der Ware nicht mehr zufrieden war“, sagt er. Zudem würden Ziegel, die er bislang gerne verwendet hat, nicht mehr hergestellt. Dennoch warnt er vor „Panikmache“ und bleibt ruhig.

Die dreifache Arbeit

Auch Timo Straub kennt die Problematik. Er führt die Firma Holzbau Straub mit 30 Mitarbeitern. Gute Vorplanung ist bei so einem großen Unternehmen ohnehin immer wichtig, sagt er. Das sei man gewohnt. Und mit guter Planung und ein wenig Flexibilität bekomme er auch die derzeitige Situation sehr gut hin. Allerdings habe sich die Arbeit durch die Dachziegelknappheit verdreifacht, räumt er ein: „Wir können das schultern. Aber es ist viel, viel mehr Aufwand.“

Mindestens ein Viertel- bis Halbjahr vorher müssen die Ziegel geordert werden. Dazu gehört auch eine enge Absprache mit dem Kunden nach der eigenen Recherche, was gerade auf dem Markt zu haben ist und ob dies den Wünschen des Kunden entspricht. Das kostet wesentlich mehr Zeit als früher. Gegebenenfalls müsse dann auch mal ein Projekt verschoben werden.

Hersteller bestätigen die Problematik

Ist die Dachziegelknappheit auch Thema bei den Herstellern? „Natürlich“, lautet die Antwort von Dagmar Bohm, Unternehmenssprecherin der BMI Group, die unter anderem auch Dachziegel herstellt. „Nach unserem Wissen ist der Markt an Dachziegeln in Deutschland leergefegt, heißt ausverkauft und Kunden können derzeit von keinem Hersteller mit Dachziegeln beliefert werden. Es mag hier und da noch kleinere Restbestände geben, die verkauft werden, das ist aber nicht die Regel. Wir rechnen zwar mit einer leichten Erholung der Lage zwischen den Jahren, aber mit keiner wesentlichen Besserung der Beschaffungssituation vor dem 2. Quartal 2022“, erklärt sie.

Die Gründe seien leicht zu benennen: Ganz eindeutig liege es an der großen Nachfrage nach Dachziegeln. Bei BMI in Deutschland tue man momentan alles, was möglich ist, um die Lage zu entspannen. „Wir optimieren derzeit unsere Produktion, um mit bestehenden Kapazitäten mehr Dachziegel produzieren zu können“, stellt die Sprecherin in Aussicht.

Bundesverband: Steildach wird immer beliebter

Der Bundesverband der deutschen Ziegelindustrie kennt weitere Hintergründe zur derzeitigen Situation. „Für die Knappheit von Dachziegeln ist in erster Linie die gute Marktkonjunktur und der Bedarf nach mehr bezahlbaren Wohnraum verantwortlich. Insgesamt erfreut sich das Steildach - unter anderem als Nutzfläche für Solarenergie - seit einiger Zeit wieder einer steigenden Beliebtheit. Zusätzlich zieht der Sanierungsmarkt im Rahmen der Bundesförderung effiziente Gebäude konsequent an. Ein weiterer Faktor könnte das Inflationsrisiko als Folge schwankender Energiekosten sein“, glaubt Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Frederichs. 

Die Glaskugel fehlt auch dem Bundesverband

Die Dachziegelindustrie sei gut ausgelastet, sagt Frederichs weiter. „Dennoch werden zusätzliche Produktionskapazitäten aktuell geprüft. Da kurzfristig keine zusätzlichen Werke gebaut werden können, wird teilweise versucht, die bestehenden Strukturen bedarfsgerecht zu erweitern.“ Er fordert aber auch: Hierfür benötige die Branche langfristig planbare und wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen.

Schwankende Energiepreise erschweren dem Hauptgeschäftsführer zufolge die Produktionssicherheit ebenso wie die weiterhin unklare Ausgestaltung der Energiewende. Aber auch Frederichs hat keine Glaskugel für die Zukunft: Die Lage lasse sich aufgrund der Pandemie schwer einschätzen. Dennoch sei mit Blick auf den Wohn- und Sanierungsmarkt mit einer Stabilisierung der Nachfrage auf hohem Niveau zu rechnen. Die Zimmerer jedenfalls hoffen darauf.  

Bildquelle: Roeben Dachsanierung

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1 Kommentar
Leo
25.05.2022

Bin mal gespannt, wohin das dieses Jahr noch führt..

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