Baustelle
Marvin Fuchs
13.11.2021

Hof Wendenius: Denkmalgerecht mit modernem Flair

Dieser Beitrag handelt vom Hof Wendenius im rheinland-pfälzischen Hainau. Ein Dreiseitenhof aus dem 18. Jahrhundert, bestehend aus einem ehemals als Wohnhaus genutzten zweigeschossigen giebelständigen Fachwerkhaus aus dem frühen 18. Jahrhundert und drei weiteren Nutzgebäuden, die die damalige landwirtschaftliche Nutzung ermöglichten. Das Wohnhaus ist eines der ältesten Gebäude in der Gemeinde und als einziges Objekt in Hainau denkmalgeschützt.
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Preisgekrönte Sanierung

Der Hof hatte über die Jahre einige Umbau- und Anbauarbeiten hinter sich, im Jahr 2017 wurde der zuvor leerstehende Hof von den jetzigen Besitzern erworben und die ersten Visionen zur neuen Nutzung kamen auf. Ziel war eine denkmalgerechte Sanierung in Kombination mit schlichter, moderner Ausstattung hin zur Eventlocation. Die Bauphase lief über gut drei Jahre von 2017 bis Ende 2019 und betraf alle zugehörigen Gebäude, sowie die gesamte Außenanlage. Im Nachgang folgten einige Preise für den Umbau, ganz frisch nun sogar die Auszeichnung für vorbildliches Bauen vom BDA Landesverband Rheinland-Pfalz 2021. Besonders wichtig waren während der gesamten Bauphase die Verarbeitung von natürlichen Baustoffen und der behutsame Umgang mit der historischen Bausubstanz.

Der gesamte Dreiseitenhof wird mittlerweile als Eventlocation genutzt, dabei ist die Scheune als Veranstaltungssaal das Herzstück, in der Werkstatt befinden sich Küche und Aufenthaltsbereiche, der Stall wurde zum Kinderhaus mit Kletterwand umgebaut und beherbergt nun die Haustechnik, das Wohnhaus dient als Übernachtungsmöglichkeit und bietet zehn Übernachtungsplätze. Das Gefüge des Wohnhauses wurde in Ochsenblutrot gestrichen und setzt sich so deutlich von den anderen Gebäuden ab, die einheitlich mit einer hellen Natursteinschlämme überzogen wurden.

  • Werkstatt:
    Die Werkstatt wurde durch Entfernen der Zwischenwände und Balkenlagen zu einem großräumigen Gebäude, welches die Küche und das Esszimmer beinhaltet. Im Inneren wurde viel mit Sichtbeton gearbeitet, die großen Sichtbetonwände übernehmen neben statischen Aufgaben auch die Heizung in Form von Strahlungswärme. Auch hier wurde der Putz der gesamten Fassaden entfernt und mit der Natursteinschlämme gearbeitet. In der Werkstatt sind zudem denkmalgeschützte Fenster vorhanden, die entsprechend restauriert wurden. Alle anderen Öffnungen wurden mit einer Festverglasung und einem außenliegenden Holzrahmen versehen.

  • Wohnhaus:
    Das Wohnhaus sollte zur Nutzung als Ferienhaus umgebaut werden. In diesem Zuge wurde die Fassade vom Zementputz befreit, das Gefüge unter denkmalgerechtem Vorgehen restauriert, die gesamte Konstruktion mit Trockeneis gestrahlt und der Südgiebel neu verschiefert. Der Schiefer an der Westfassade wurde erhalten, dieser stammt aus der schon lange geschlossenen Grube Weisel, hier wurde nur ergänzt und repariert. Nach dem historischen Vorbild des gefundenen eingemauerten Fensters wurde die neuen Fenster gefertigt und entsprechend in die Konstruktion eingepasst.
    Das Dach wurde nach KFW-Richtlinien mit einer Aufdachdämmung versehen und neu eingedeckt, dabei galt der Erhaltung der filigranen Proportionen ein besonderes Augenmerk. Highlights waren zudem die vorgefundenen Wandgemälde, die von Restauratoren erhalten werden konnten, ein bei Grabungsarbeiten gefundener Brunnen und ein historischer Kellerabgang, wohl auch aus der Entstehungszeit. In der gesamten Bauphase wurde zudem darauf geachtet, möglichst natürliche Materialien wie z.B. Lehm, Leinöl oder auch Naturschiefer zu verwenden.

  • Scheune:
    Die Scheune erforderte den wohl größten Planungsaufwand. Eine besondere Aufgabe waren die bauphysikalischen Anforderungen an diesem Gebäude, eine alte Fachwerkscheune die nun als Event-Location dienen soll. In kleinteiliger Arbeit wurde zuerst mal ein Fundament hergestellt und die Bodenplatte gegossen. Von außen wurde die alte Hülle erhalten, im inneren der Scheune befindet sich nun ein geschlossener Holzrahmenbau, um die Brand- und Schallschutz Anforderungen zu erfüllen, Fenster und Türen erhielten zudem eine Schallschutzverglasung. Auch die Dachkonstruktion wurde komplett überarbeitet aus diesen Gründen, auf die bestehende Konstruktion wurde ein Schallschutzdach gesetzt. Am Fachwerk wurden geschädigte stellen getauscht und auch die Scheune wurde mit der Natursteinschlämme eingehüllt. Äußerlich was es das Ziel, dass man dem Gebäude die großen Veränderungen nicht ansieht, was schlussendlich auch erreicht wurde.

Dieses Projekt habe ich in meiner Ausbildung dauerhaft mitbegleitet, es war für mich der Einstieg in die denkmalgerechte Restaurierung. Weitere Infos zum Hof und der Eventlocation gibt es auf der Homepage.
Vielen Dank für das Bereitstellen der Bilder an den Architekten Marc Flick , David Schreyer und die Bauherren Familie Hempelmann.

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