Restaurator im Zimmererhandwerk 2021: Esslingen, einen Besuch wert!
Älteste Fachwerkhäuser Deutschlands
Esslingen am Neckar, direkt neben der baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart gelegen, ist neben Limburg an der Lahn und Göttingen eine der Städte mit den ältesten Fachwerkhäusern in Deutschland. Alleine in dieser Stadt lassen sich die Entwicklungen der Konstruktionen schön ablesen, es sind noch einige Häuser vorhanden, die aus dem 13./ 14. Jahrhundert stammen.
Ganz besondere Highlights diesbezüglich sind zum Beispiel das Alte Rathaus, die Webergasse, der Hafenmarkt sowie auch die Pfleghöfe und Kirchen: Das Alte Rathaus stammt aus dem Jahre 1422/23 und zeigt beispielhaft die mittelalterliche Abzimmerungsweise mit verblatteten Kopf- und Fußbändern, mächtigen Holznägeln, aussteifenden Steigbändern und einer ehemals offenen Markthalle. Nie Nordfassade zeigt einen wunderschönen Einblick in die Renaissance, diese stammt aus 1586-1589.
Steht man auf dem Rathausplatz, findet man östlich die Webergasse, hier befindet sich mit der Hausnummer 8 das älteste dendrochronologisch datierte Fachwerkhaus Deutschlands. Es stammt aus dem 13. Jahrhundert, die ältesten Hölzer stammen aus dem Jahr 1267. Der größte Teil der noch ursprünglichen Gefüge findet sich in der Ostfassade wieder, der Nordgiebel stammt aus 1494.
Zwei Straßen weiter südlich befindet sich der Hafenmarkt mit der ältesten erhaltene Fachwerk-Häuserzeile Deutschlands, die Hausnummern 2, 4, 6, 8, 10 stammen aus den Jahren 1326-1330 und sind noch in großen Teilen original erhalten. Aufgefallen ist dieses besondere Alter leider erst nach dem Abriss der Nummer 2, dabei wurde festgestellt, dass die Bausubstanz aus 1326 stammte, dies was der Grundstein für die weiteren Untersuchungen der Nachbarhäuser.
Wie schon erwähnt ist Esslingen also auf jeden Fall einen Besuch wert, gerade für fachwerbegeisterte Zimmerleute. Zudem lohnt es sich auch einen Blick in die Stadtkirche St. Dionys, diese stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Eine Besonderheit ist die Brücke zwischen den beiden Türmen, diese wurde um 1600 aus statischen Gründen errichtet, die beiden Türme sind nach außen gekippt, durch die Brückenkonstruktion wird dies verhindert. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Frauenkirche als eine der frühesten gotischen Hallenkirchen in Süddeutschland, das Münster St. Paul als älteste erhaltene Bettelordenskirche Deutschlands, die Esslinger Burg, die Innere Brücke und vieles mehr.
Dies alles findet ihr in den vielen Bildern hier wieder, klickt euch einfach mal durch. In meinem nächsten Beitrag geht es dann um Lehmbau, die letzten Wochen des Restauratoren-Kurses sowie einen kleinen Ausblick auf die Restauratoren-Ausbildung in Zukunft, da mich doch einige jetzt zu diesem Thema gefragt haben.
Die Bilder sind vom Kollegen Kim Rossmanith, wenn solch ein Fotograf dabei ist braucht man mit dem Handy gar nicht anfangen, danke dafür!

















