Restaurator im Zimmererhandwerk 2021: Traditionelle Handwerkskunst
Traditionelles Balkenbehauen
Ein absolutes Highlight des Kurses stand in der letzten Woche an. Mit Bauklammern, Zupfschnur mit Asche, Fellaxt und Breitbeil wurden aus Rundhölzern kantige Balken hergestellt. Es wurden Wasserleitungen gebohrt und Balken mit der Längsschnittsäge auf dem Bock aufgetrennt. Daraus wurde dann auch ein kleines Modell mit eingeblattetem Fußband abgebunden. So kam man mal wieder zu der Möglichkeit die Werkzeuge aus unserem Zunftzeichen zu benutzen. Damals wurden die Balken schon im Wald nach ihrem späteren Querschnitt ausgesucht, um später das kraftraubende Auftrennen mit der Schottsäge zu vermeiden. Ein interessanter Fakt ist, dass die Zimmerleute damals im Akkord nach behauenem Meter bezahlt wurden, Linkshänder besser als Rechtshänder, weil diese so selten waren. Um aber im Takt von beiden Seiten gleichzeitig zu behauen waren sowohl Rechts- als auch Linkshänder gefragt.
Wenn dann die Arme wieder schwer wurden, ging es an die Feinarbeit. Das schnitzen von Ornamenten und Schriften. Ein Einblick in eine Arbeit die es durch recht geringem Aufwand ermöglicht, seiner Arbeit eine ganz persönliche Note zu geben und sich zu verewigen.
Das alles war ein sehr schöner Einblick in die Wurzeln unseres Handwerks, es stärkt wieder mal das Bewusstsein welch schönen Beruf wir doch haben und den Respekt vor der schweißtreibenden Arbeit und den Werken unsrer Vorfahren! Gerade deswegen gilt es bei der Restaurierung mit dem Skalpell an die Bauwerke ranzugehen und so viel Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Wenn man bedenkt, dass mit dem Breitbeil teils gehobelt scheinende Oberflächen am laufenden Band mit Akkordlohn hergestellt wurden und diese heute nach teilweise 800 Jahren immer noch so an Ort und Stelle stehen, erzeugt das schon Bewunderung!
650 Jahre Baugeschichte
Ein weiteres schönes Erlebnis war dann die Exkursion nach Ulm zum höchsten Kirchturm der Welt. Im dortigen Münster wurden wir sehr freundlich empfangen und bekamen viele Einblicke in die Baugeschichte, wurden über das Dach geführt, waren im Chorturm und hatten Zugang zum Dachstuhl (der für uns Zimmerer etwas enttäuschend ja leider nicht mehr aus Holz ist). Einzig auf den Hauptturm konnten wir nicht gehen, weil dort gerade Sanierungsmaßnahmen im Gange sind. Als kleinen Zusatz durften wir unweit des Chorteils des Münsters noch zwei mittelalterliche Fachwerkgebäude bestaunen.
Unseren mittelalterlichen Dachstuhl bekamen wir dann etwas später allerdings doch zu sehen, in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Biberach. Die Dachkonstruktion des Chors wurde auf 1337/38 datiert, die des Schiffes der Basilika auf knapp 30 Jahre später. Von der ursprünglichen Bausubstanz ist noch fast alles erhalten und so konnten wir uns die Chance nicht nehmen lassen und nutzen diese Konstruktion für eine Aufmaß-Übung. Danach ging es noch in den Glockenstuhl hoch.
Jetzt gibt es erstmal eine Woche Pause, danach geht es in den zweiten Teil des Kurses und schon Richtung Prüfung. In ein bis zwei weiteren Beiträgen werde ich euch dann nochmal berichten was noch so gemacht wird. Ich freue mich sehr darauf, der Kurs stärkt den Stolz und die Liebe zum Zimmererhandwerk enorm, eben mehr als nur ein Beruf!

















