Restaurator im Zimmererhandwerk 2021: Von den alten Griechen bis zum Lehmbau
Restaurator? Was muss der eigentlich können?
Erstmal muss ich sagen, bisher war das für mich persönlich eine sehr spannende Weiterbildung, weil man doch nochmal ganz anders für die historische Bausubstanz sensibilisiert wird. Der Stellenwert der Denkmalpflege ist in Baden-Württemberg glücklicherweise sehr hoch und die Dozenten kommen alle direkt aus der Praxis ihres jeweiligen Themengebiets. Wie schon oft von mir erwähnt ist das genau mein Bereich, für den ich einfach eine Leidenschaft habe, und bisher hat die ganze Sache hier meine Erwartungen mehr als erfüllt. Nun allerdings zu den Inhalten:
Ein großer Bestandteil ist natürlich die Bauforschung und in diesem Zuge auch ein entsprechender Rückblick in die Historie des Holzbaus. Dabei geht es auch um die damalige Lage im Land, die Techniken der Zimmerleute und deren Werkzeuge, die Holzflößerei, die Entwicklung der Konstruktionsprinzipien usw. Das Ganze wird größtenteils in Verbindung mit Exkursionen direkt in der Realität angeschaut und unter die Lupe genommen. Gerade dieser Bereich ist wichtig, um sich später mit den Gebäuden auseinander setzen zu können und zu verstehen, wie diese funktionieren und was man ihnen alles quasi „von den Lippen lesen“ kann.
Die Bauforschung und Schadenskartierung wird zudem an einem Projektgebäude im Umfeld von Biberach durchgespielt. In diesem bekommt jeder einen gewissen Bereich zugeteilt, für welchen dann ein Aufmaß und alle weiteren Schritte bis hin zu einer Kalkulation durchgeführt werden. Das Ganze wird später Teil der Abschlussprüfung sein und in einem Fachgespräch vorgestellt werden.
Allerdings geht es auf dem Weg zum Restaurator nicht nur um den Holzbau, der Restaurator ist im Zuge der Restaurierung ein Gewerks übergreifender Ansprechpartner und sollte sich auch in Kunst- und Kulturgeschichte auskennen. So werden einige Unterrichtseinheiten zur Zeitreise: zu den Ägyptern, ins antike Griechenland, das römische Reich und danach einmal quer durch die Epochen der Geschichte. Eins steht fest, nach diesem Kurs kann man keine griechischen Säulen mehr sehen 😜
Im Praxisteil geht es um das historische Behauen von Rundhölzern, Treppenbau, einige Tipps und Tricks im Holzbau und Lehmbau.
Auch der Lehmbau ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Bereich im Hinblick auf historische Fachwerke, denn Lehm und Holz haben schon über viele hunderte Jahre super harmoniert und die Eigenschaften des Werkstoffs Lehm sprechen für sich.
Ich hoffe ich konnte euch hier mal einen kleinen Einblick in diesen Bereich geben, wenn ihr noch was wissen wollt, einfach melden. Ansonsten geht es hier in ca. 2 Wochen weiter mit der kleinen Blog-Reihe zum Restaurator-Kurs, dann mit dem praktischen Unterricht und in diesem Zuge dem Behauen der Balken und schnitzen von Ornamenten. Bis dahin alles Gute, bleibt gesund!





