Ist die Holzkrise bald vorbei?
Holzkrise Herbst 2020 bis Juni 2021
Seit Herbst 2020 sind die Holzpreise massiv gestiegen. Mittlerweile über 200 Prozent beim Schnittholz. 2021 wurde zudem die Verfügbarkeit immer schlechter. Manche Holzprodukte waren so gut wie vom Markt verschwunden. Aus verschiedenen Gründen ist die weltweite Nachfrage nach Holz enorm gestiegen, während die Forstwirtschaft mit den massiven Waldschäden der vergangenen Jahre gekämpft hat. Allein 2020 gab es nur in Deutschland 72 Mio. Festmeter Schadholz. Nach wie vor ist die Nachfrage nach Holz deutlich höher wie das verfügbare Angebot.
Anzeichen für einen Wendepunkt
Seit zwei bis vier Wochen bemerkt man aber, dass sich etwas verändert. In zahlreichen Gesprächen mit Zimmerern hörte man, dass die Bauherren teilweise die Aufträge verschieben oder sogar stornieren. Teilweise warten die Bauherren auf bessere Preise. Manchmal ist es aber so, dass die Bauherren nach den Preissteigerungen die Finanzierung durch die Bank nicht mehr bekommen. Wenn der Dachstuhl allein auf einmal ca. 50 Prozent mehr kostet, ist das kein Wunder. Außerdem haben sich viele Zimmereien mit ausreichend Lagerware eingedeckt. Die Hamsterkäufe der vergangenen Monate – welche die Krise noch verschärft haben – finden nicht mehr in großem Ausmaß statt. Folglich werden auch die Lieferzeiten der Holzlieferanten kürzer und angekündigte Preiserhöhungen teilweise wieder zurückgenommen.
Globale Nachfrage ungebremst hoch
Der Bedarf nach Holz ist weltweit so hoch wie nie zuvor. Der Nadelschnittholzbedarf global liegt aktuell bei ca. 350 Mio. Kubikmetern. Der Holzpreis in den USA ist zwar wieder deutlich gesunken, doch kann man noch nicht genau sagen, ob das von Dauer ist. Die weltweite Nachfrage wird definitiv weiter steigen. Der politische Wille - aus Gründen des Klimaschutzes – mit Holz zu bauen, ist da. Die Europäische Union, China und die USA wollen klimaneutral werden und die Politiker wissen, der Holzbau ist der richtige Weg dorthin. Der Bedarf in ehemaligen Schwellenländern wie China ist zudem enorm gestiegen. Allein China wird dieses Jahr ca. 70 Mio. Kubikmeter Holz benötigen.
Zukünftige Preisentwicklung
Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass der Materialfluss auf der Baustelle von vielen Faktoren abhängt. Mit 100-prozentiger Sicherheit kann man also nichts voraussagen. Worin sich Experten aber einig sind ist, dass der Holzpreis die vergangenen Jahre deutlich zu niedrig war. Währenddessen die Preise in anderen Bereichen sowie die Inflationsrate gestiegen sind, war der Holzpreis fast gleichbleibend. Ein Absinken auf das Niveau von Mitte 2020 wird es also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. Zugleich ist zu beobachten, dass der Markt nicht bereit ist, jeden Preis zu bezahlen. Preise über 1.000 Euro/m³ für Dachlatten werden einfach nicht mehr bezahlt. Man kann also davon ausgehen, dass sich der Preis auf einem höheren Niveau als dem von 2020 einpendeln wird.
Was sagen unsere Mitglieder?
An der Zimmerer-Treffpunkt Umfrage „Wie geht es Dir mit den Lieferengpässen beim Holz?“ haben 310 Mitglieder teilgenommen. 45 Prozent der Teilnehmer stimmten dafür, dass die Lage besser wird. 55 Prozent der Teilnehmer stimmten dafür, dass die Lage gleichbleibend schlecht ist. Eine leichte Entspannung der Situation wird also auch bereits von vielen Zimmereibetrieben wahrgenommen.
Weitere Fachbeiträge zum Thema:
Holzpreise steigen weiter: Das sind die Ursachen
Der Holzrausch: Preise steigen, Lieferzeiten erhöhen sich, Probleme der Zimmerer wachsen
