„Pass in der Schule auf, sonst musste aufn Bau!“
Ausbildungen im Handwerk rückläufig
„Das Handwerk hat goldenen Boden“ – das heißt es immer wieder. Andererseits hört man auch viel zu oft Sprüche in die Richtung „Pass in der Schule gut auf, sonst musst du auf den Bau.“ Und zweiteres spiegelt sich leider auch in den Ausbildungszahlen nieder, diese gehen seit Jahren zurück und in allen Ecken wird Nachwuchs gesucht.
Zu diesem Punkt habe ich euch mal gefragt, woran das liegt und was nötig ist, um das Image des Handwerks wieder etwas aufzupolieren. Dabei waren viele einer Meinung, die ich persönlich auch sehr unterstütze, nämlich dem Beginn des Problems schon in den Schulen. Ich kann nur von meiner eigenen schulischen Laufbahn sprechen, bis zur 10. Klasse auf der Realschule und danach noch auf dem Gymnasium mein Abitur nachgezogen, aber bei uns hieß es auch von Anfang an, man solle doch aufpassen und lernen, um später mal studieren zu können.
Genau hier liegt schon der erste Fehler, natürlich ist im Handwerk auch nicht alles Gold was glänzt, aber ich kann aus meiner Erfahrung bisher sagen, dass ich mich selbst im Handwerk einfach verwirklichen kann und in meinem Beruf einfach voll aufgehe. Das können nicht viele meiner ehemaligen Klassenkameraden von sich behaupten, gerade von den Studierenden hat man oft gehört, dass es nicht das Richtige ist, die Studiengänge gewechselt werden oder am Ende doch eine Ausbildung vorgezogen wird.
Das andere Problem ist das Ansehen des Handwerks. Es ist mit vielen Klischees von früher vorbelastet und einige Betriebe sorgen auch nicht gerade dafür, dass sich daran was ändert. Und da sind wir alle in der Pflicht dran zu arbeiten, dem Nachwuchs eine attraktive Arbeitsstelle zu bieten, unterstützen und viel zeigen, statt nur kehren zu lassen und auf kleinen Fehlern rumzureiten.
Wir selbst haben aktuell drei Auszubildende und ich habe immer den Anspruch an mich selbst, ihnen gegenüber ein auch nur ansatzweise so guter Ausbilder zu sein, wie es meine vor paar Jahren noch waren. Es ist einfach schön zu beobachten, wie sich die Jungs entwickeln! Lehrlinge sind keine billigen Arbeitskräfte, sondern unsere Zukunft.
Wir im Zimmerer-Handwerk können im Gegensatz zu vielen anderen Gewerken noch stolz behaupten, steigende Ausbildungszahlen zu haben und laut Lagebericht von Holzbau Deutschland sind auch drei bis vier Bewerbungen pro Ausbildungsstelle nichts außergewöhnliches, wenn der Betrieb sich um solche Themen aktiv kümmert.
Der Weg zum passenden Beruf
Am Ende liegt die Entscheidung bei jedem selbst, was er mal beruflich machen möchte. Wir sind schon lange nicht mehr in Zeiten, in denen der Beruf vom Elternhaus vorbestimmt wird - sollte zumindest so sein. Aber wodurch wird die Jugend bei der Berufswahl beeinflusst? Ein wichtiger Punkt ist die Berufsorientierung in den Schulen, der andere ist Social Media und zu guter Letzt kommen Empfehlungen aus Familie und Umfeld.
Und um auf Social Media zurückzukommen, bleibt mir noch zu sagen, dass ich über die Entwicklung in den letzten Monaten sehr froh bin. Anfangs waren es nur sehr wenige Handwerker, die Einblicke in ihre Arbeit gewährt haben, so hab ich mich von Anfang an mit der Instagram-Seite vom Carpenter Flo beschäftigt und ihn als Inspiration zu nehmen, auch etwas in diese Richtung zu machen.
In den drei Jahren die ich jetzt schon bei Instagram aktiv bin, sind einige dazu gekommen, die Bilder aus ihren Berufen zeigen. Das ist meiner Meinung nach extrem wichtig in den heutigen Zeiten, Danke an alle die bei Instagram etc. in diesem Bereich aktiv sind.
Seid stolz auf euren Beruf, zeigt was ihr macht und versucht jungen Leuten ein paar Einblicke in unsre wunderbaren Handwerke zu geben.
