Krise am Holzmarkt: Das tun die Verbände
Natürlich sind die Landesverbände in den schwierigen Zeiten der unkontrolliert steigenden Holzpreise und Lieferzeiten nicht untätig. Im Gegenteil: der baden-württembergische Verband hat zu einem großen Treffen zwischen Politik, Holzerzeugern, Obermeistern und dem Verband selbst geladen, in Bayern wurden neue Förderungen für den Holzbau verhandelt und bundesweit konnte das Forstschäden Ausgleichsgesetz teilweise gekippt werden.
5 Kernaussagen für Zimmerer in der jetzigen Situation
In einem Gespräch zwischen Innungen, Holzerzeugern, Obermeistern und dem baden-württembergischen Landesverband konnte beiderseitiges Verständnis geschaffen werden. Es wurden fünf Kernaussagen für Zimmerer in der jetzigen Situation definiert:
- Es ist genug Rundholz vorhanden. Die Sägewerke schneiden Überkapazitäten ein und machen alles in ihrer Macht Stehende, um den Mangel auszugleichen.
- Wer seinem regionalen Sägewerk treu ist, der kann sich auch in schwierigen Zeiten wie jetzt darauf verlassen, dass er als Stammkunde fair behandelt und beliefert wird.
- Auch wenn die Lieferzeiten nicht mehr so unglaublich schnell und ad hoc funktionieren wie früher, können Zimmerer mit 6-8 Wochen Vorlauf immer auf die rechtzeitige Lieferung setzten.
- Rechtzeitiges und auftragsbezogenes Bestellen von Materialien hilft sowohl den Regionalsägern als auch den Zimmerer weiter – auch um eine erneute Ausnahmesituation wie die jetzige in Zukunft besser zu meistern.
- Wir dürfen den Holzbau nicht durch negative Stimmungsparolen gefährden. Nur mit dem Holzbau ist ein klimaverträgliches Bauen möglich. Wir werden alles mögliche unternehmen, um den Holzbau voranzubringen und die Lage zu entspannen.
Forstschäden Ausgleichsgesetz teilweise gekippt
Ab sofort ist das Forstschäden Ausgleichsgesetz geändert. Präsident des Landesinnungsverbandes des bayerischen Zimmererhandwerks und Vorsitzender von Holzbau Deutschland, Peter Aicher, erklärt: „Auf unsere Bemühungen hin haben wir es geschafft, gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsministerin, Julia Klöckner, das Gesetz zu kippen und so den Materialfluss wieder zu erleichtern.“
Lage entspannt sich bis Herbst
Und auch der Präsident des baden-württembergischen Verbandes, Gerd Renz, zeigt sich optimistisch: „Die Bestellungen gehen langsam, aber sicher zurück. Da viele Zimmerer aus Angst vor Engpässen ihr Holz gehamstert haben – ähnlich dem Klopapier zu Anfang der Corona-Pandemie – sind nun viele mit ausreichend Holz versorgt und die Lage beginnt sich zu entspannen. Wir gehen fest davon aus, dass sich bis spätestens Herbst 2021 die Lage entzerrt haben wird.“
Holzbau Förderung in Bayern
Auch der bayerische Landesverband hat einen großen Durchbruch erzielt und gemeinsam mit der bayerischen Staatsministerin für Forsten, Michaela Kaniber, ein Förderprogramm für den Holzbau auf die Beine gestellt: eine neue jährliche Förderung von 15 Mio. Euro.
Außerdem wird Bayern ein Leuchtturmprojekt – wie zum Beispiel den Bau eines markanten Hochhauses aus Holz – initiieren, das bundesweit Maßstäbe setzt. Mit einem Architektenwettbewerb plus Innovationsprämie in Höhe von einer Million Euro haben die bayerische Regierung und der bayerische Landesinnungsverband große Pläne angestoßen.
Appell an Zimmerer
Zuletzt hat Herr Renz stellvertretend für alle Verbände noch einen Appell an seine Zimmerer-Kollegen. Seiner Meinung nach sollten Zimmerer besser lernen, Holz so einzusetzen, wie es sinnvoll ist.
Das heißt laut Herrn Renz:
- Bereitschaft zeigen auch Kalamitätsholz für nicht-sichtbare Konstruktionen zu nutzen (da wir bisher mit „zu gutem“ Holz verwöhnt sind, ist das für viele Zimmerer eine neue Herausforderung, an die auch die Sägewerke sich anpassen müssen).
- Auch in schwierigen Zeiten kein Holz „hamstern“, denn genau das führt zu einer Zuspitzung der Lage – besonders bis zur endgültigen Entspannung der jetzigen Situation bitte nicht doppelt so viel Holz kaufen, wie nötig.
- Nicht immer von gesicherten ad hoc Lieferzeiten ausgehen, sondern vorausschauend planen und das Holz auftragsbezogen kaufen.
- Preis-Hopping rächt sich. Unterstützt lieber regionale Säger oder Lieferketten und ihr werdet dafür in Krisenzeiten fair behandelt.
- Kollegialität: Ein gutes Miteinander hilft auch in Krisenzeiten. Gegenseitiges Aushelfen bei Engpässen und Zusammenhalten bringt uns alle weiter.
Unsere Gesprächspartner
Peter Aicher ist Vorsitzender von Holzbau Deutschland und Präsident des bayerischen Landesinnungsverbands. Gerd Renz ist Präsident des baden-württembergischen Landesinnungsverbands.
Bildquelle: Holzbau Deutschland - Rolando Laube, Holzbau Baden-Württemberg - Peter Mackowiack



