Fachthemen
Christian Lang
13.05.2021

Betr.: Holzmangel

Meine Mail an LdB des oberbergischen Keises, Herrn Jochen Hagt und Herrn Pinkwart, Wirstschaftsminister des Landes NRW
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Sehr geehrter Herr Hagt, sehr geehrter Herr Pinkwart,

 

als Inhaber eines kleinen Zimmerei- und Dachdeckerbetriebes möchte ich mich nun auch an Sie wenden angesichts der unmöglichen Lage im Baugewerbe.

Als sich die Materialverknappung, besonders bei Holzprodukten, abzuzeichnen begann, habe ich versucht, die Gründe dafür zu eruieren. Es wurde schnell deutlich, dass weder meine Großhändler, noch Forstverbände oder Innungen nachvollziehbare Gründe für Verknappung und Verteuerung bei riesigen Mengen von vorhandenem Rohholz benennen können.

Die Argumentation der Medien/ Industrie scheint mir oft schlecht recherchiert bzw. vorgeschoben zu sein.

Als ich kurz vor Ostern mit Herrn Wollseifer, Präsident des deutschen Handwerks, telefonierte, um auf die missliche Lage aufmerksam zu machen, war ihm die Tragweite der Entwicklung noch gar nicht in Gänze bewusst.

Seitdem konnte man seine Bemühungen, die Situation der Politik zu verdeutlichen, mitverfolgen, auch andere Gruppierungen bemühen sich um entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.

Denn allen wird mittlerweile bewusst:

 

- der Bedarf an Holz ist bei vielen Gewerken groß.

- verknappt oder verteuert sich das Rohmaterial, ist weder Termin- noch Preissicherheit bei der Auftragsabwicklung gewährleistet. Das betrifft auch öffentliche Bauvorhaben, z.B. sozialen Wohnungsbau.

- hiermit werden Wohnungskosten in Zukunft dramatisch steigen und parallel geplante Projekte auf unbestimmte Zeit verschoben werden müssen.

- Investitionen von öffentlicher Hand, Investoren und Privatleuten werden weitreichend eingedämmt, denn

- erhält ein Haus kein Dach kann auch kein Folgegewerk weitermachen.

- Investitionsanreize, die die Bundesregierung gerade auch für den Holzbau aktuell gesetzt hat, verpuffen.

- in den letzten Jahren hat der Holzbau einen Anteil von knapp 25% an der nationalen Bauleistung erreicht, nicht zuletzt, da er politisch gewünscht wird:

- CO2- armes Bauen, regionale Vermarktung, ökologisch und gesundes Wohnklima sind durchaus politische Argumente

- Wohnungsnot in den Städten soll mit Aufstockungen gelindert werden, bestenfalls mit klimaregulierenden Maßnahmen (z.B. Gründächer)- wer kann das besser als der Holzbau?

- energetische Sanierungen ( -es grüßt das GEG-) werden mit excellenten Konditionen durch die KFW-Bank und andere- staatliche- Fördertöpfe bedient.

- das Image und die Vorteile des Holzbaus werden nachhaltig und langfristig geschädigt. 

- in Zeiten der Müllvermeidung, der Abkehr von Kunststoffen in und proklamierter Nachhaltigkeit verschleudern wir einen der nachhaltigsten Rohstoffe 

 

Die Liste wäre durchaus noch fortzuführen...

 

Daher frage ich mich, fragen sich Händler, meine Kollegen und nicht zuletzt der Bürger als Kunde:

 

warum

- wird der Ausverkauf unserer Wälder betrieben?

- werden Tonnen von CO2 beim Verschiffen von Roh- und Schnittholz in die Luft geblasen, während das Material vor Ort reihenweise Abnehmer fände?

- schneiden Sägewerke mehr für den Export als für den Inlandsmarkt ein?

- erhalten Waldbesitzer kaum Erlös für ihr Käferholz, während KVH mittlerweile mit ca. 1000,00 €/ m³ gehandelt wird- wer streicht da die Gewinne ein?

- wird hier unnötigerweise ein Preistreiben vollführt, welches zulasten der Kundschaft, aber auch der gesamten Gesellschaft geht ( siehe Argumentation oben)?

 

In diesem Zusammenhang sehe ich, aber auch eine Vielzahl anderer Bürger aus den verschiedensten Gesellschafts- und Berufsgruppen Handlungsbedarf seitens der Politik.

 

Was steht einer Exportregulierung bzw. temporären Subventionierung entgegen?

 

Mit dem Abholzen der Fichtenbestände wird sich das Problem in den kommenden Jahren zunehmend verschärfen, der Markt hat kaum Zeit, sich anzupassen.

Ohne Eingreifen der Politik sehe ich eine Welle von betriebsbedingten Kündigungen und Betriebsaufgaben auf uns zukommen.

 

Daher meine dringende Bitte: nehmen Sie sich und mit Ihnen alle gewählten Volksvertreter schleunigst der Lösung des Problems an.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

 

Christian Lang
Zimmerei Lang

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