Fachthemen
Marvin Fuchs
11.05.2021

Zimmererhandwerk ohne Holz? Funktioniert nicht!

Das Thema was uns alle, die mit dem Holzbau zu tun haben, in den letzten Wochen und Monaten am meisten beschäftigt ist wohl die Entwicklung am Holzmarkt, die steigenden Preise und die mangelhafte Verfügbarkeit. In meinem heutigen Beitrag möchte ich mal auf die letzten Wochen zurückblicken und schauen was getan wird, um diese Entwicklung irgendwie zu stoppen.
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Wie ist die aktuelle Lage?

Zuerst möchte ich mal auf die aktuelle Lage schauen: Die Preise für KVH und BSH haben sich seit Oktober letzten Jahres mittlerweile mehr als verdoppelt, Bestellungen für OSB-Platten oder Holzweichfaserprodukte sind fast unmöglich bzw. mit extrem hohen Wartezeiten verbunden. Teilweise wurden alle Bestellungen storniert, Lieferzeiten von bis zu 8 Monaten sind keine Seltenheit mehr. Selbst der Preis für Dachlatten ist astronomisch gestiegen (bis zu 250%) und von einem bekannten Dachdecker drang die Info durch, dass scheinbar nur noch Dachlatten in Kombination mit der Eindeckung bestellt werden können.

Das sorgt natürlich für große Probleme für die Zimmereien und Holzbau-Betriebe, Ausführungstermine verschieben sich weit nach hinten, Preise können nicht gehalten werden, Themen wie Preisgleitklauseln und Tagespreise für Holz kommen auf. In vielen Betrieben wird Kurzarbeit zum Thema, trotz vollen Auftragsbüchern, die aus allen Nähten platzen. Eine Gesamtsituation, die vor ein paar Monaten noch unvorstellbar gewesen ist!

Wo liegen die Ursachen?

Durch den Borkenkäferbefall und die damit hergehende Menge an Holz die eingeschlagen wurde, sind die Sägewerke aktuell mehr als ausgelastet und fahren am Limit. Das überschüssige Holz wurde schon von Anfang der Katastrophe an exportiert, weil es bekanntlich unbedingt raus aus dem Wald muss. So ist es wenig überraschend, dass im letzten Jahr laut Statistischem die Rekordmenge von 12,7 Millionen Kubikmetern Rohholz exportiert wurde. Containerweise geht das Kalamitätsholz nach China und in die USA. Und auch das eingeschnittene Holz und die Plattenwerkstoffe werden dorthin exportiert. Dies liegt vor allem am Bauboom in den beiden Ländern, in den USA kommen noch Waldbrände und Strafzölle gegen die eigentliche Hauptquelle fürs Holz, Kanada, dazu.

Was wird dagegen getan?

Das ganze Thema ist mittlerweile auch endlich auf der Agenda der Politiker aufgetaucht, lange wurde es totgeschwiegen. Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft hat sich beispielsweise mit einem offenen Brief an den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gewendet und hat einige Anliegen, beispielsweise der Verlängerung der Erleichterungen im Rahmen der Kurzarbeit, eine Verhinderung von Sanktionen für Terminverzögerungen bei öffentlichen Bauten uvm. (Offener Brief der Bundesvereinigung Bauwirtschaft) 

Die Bundestagsfraktion der SPD fordert in einer Pressemitteilung: „Wir setzen uns daher mit Nachdruck dafür ein, die regionale Holzwirtschaft nicht nur zu schützen, sondern auch zu stärken. Die EU-Kommission ist gefordert, umgehend Vorschläge zu entwickeln, wie der Rohstoffverknappung und Rohstoffspekulation und den damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden entgegengewirkt werden kann. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier muss hierauf mit allem Nachdruck in Brüssel dringen, anstatt sich weiter vor dem Thema wegzudrücken. Falls erforderlich, wäre als letztes Mittel auch ein Exportstopp in Drittstaaten zu prüfen.“ 

Inwiefern dieser angesprochene Exportstopp überhaupt möglich ist, muss geprüft werden. Allerdings gibt es hier auch eine meiner Meinung nach unterstützenswerte Petition. Das ganze Thema beschäftigt ja nicht nur uns Zimmerer, sondern die gesamte Bauwirtschaft. So fehlen auch in fast allen anderen Bereichen Rohstoffe und Baumaterialien. Gerade deshalb ist es jetzt schon mal beruhigend, dass die Politik sich Gedanken macht und das Thema durch Zeitungsartikel und sonstige Beiträge dauerhaft präsent gehalten wird. So wie es jetzt läuft kann es nicht weiter gehen, es zählt nun dranzubleiben und das Thema nicht unter den Tisch zu kehren!

Nachhaltiger ökologischer Baustoff

Holz gilt als der ökologische Baustoff der Zukunft, allerdings nicht, wenn es in diesen hohen Mengen einmal um die Welt verschifft wird. „Die Holzbauweise bietet enorme Möglichkeiten für den Klimaschutz. Sie ist eine wichtige Säule, um die deutschen und weltweiten Klimaschutzziele bis 2050 zu erreichen. Wir müssen alles daransetzen, dass dieses Ziel nicht durch die aktuell angespannte Marktsituation bei der Verfügbarkeit von Holz gefährdet wird“, mahnt Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland. Viele Kommunen und Länder begrüßen den Holzbau und fordern gewisse Holzanteile im Neubau, dies ist allerdings nicht möglich wenn Holz in diesen Mengen exportiert wird.

Sulfurylfluorid gegen Borkenkäfer

Ein extrem wichtiges Thema, wovon fast gar nicht gesprochen wird ist für mich zudem die Begasung der Container mit Sulfurylfluorid. Dieses ist laut Weltklimarat bis zu 4000-mal so klimaschädlich wie CO₂ und wird in keiner Statistik aufgeführt. Dies liegt vor allem daran, dass der Anteil des Gases bislang immer ziemlich gering war. Im Zusammenhang mit der Borkenkäferkrise und dem enormen Export von Rundholz ist der Austoß allerding stark angestiegen. Das Gas wird in die mit Kalamitätsholz gefüllten Container gepumpt, dort wirkt es dann bis zu einem Tag um noch im Holz vorhandene Borkenkäfer abzutöten und entweicht dann einfach in die Atmosphäre. Hochgerechnet ist mittlerweile seit 2018 alleine für die Behandlung des Holzes ein Wert erreicht worden, der den jährlichen Emissionen des gesamten deutschen Flugverkehrs nahe kommt. Gehört haben davon bisher leider nur wenige Leute...

Deshalb auch hier nochmal von mir ganz klar der Aufruf: HOLZEXPORTE STOPPEN – JETZT!

Darf gerne unterstützt werden: Petition - Exportstopp des Rohstoff Holz

Weiterführende Informationen und Quellen für den Beitrag:

  1. Manager Magazin: Peter Aicher im Interview
  2. DachLive: Dachdeckermeister wehrt sich gegen Preisexplosion bei Holz
  3. Spiegel: Deutschlands unbekannter Klimakiller
  4. Petition: Exportstopp des Rohstoff Holz
  5. Bundesvereinigung Bauwirtschaft: Offener Brief an Peter Altmaier
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