So erleben wir die Preisexplosion und Lieferengpässe
Damit hat keiner gerechnet!
Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir vor zwei Wochen bei unserem Holzhändler den aktuellen Preis für Dachlatten abgefragt haben. Für ein großes Holzbauprojekt im August (in Summe werden wir dort über 900m³ Holz verbauen) benötigen wir unter anderem 11.000m 4/6er Dachlatten und 820m³ Holzweichfaserdämmung. Vor sechs Wochen haben wir uns bereits den aktuellen Preis für Dachlatten nennen lassen, um das Angebot an den Kunden zu schreiben. Damals sollte der laufende Meter 0,85 Cent kosten, ein für uns schon verhältnismäßig hoher Preis, denn sonst kauften wir sie für ca. 0,73 Cent den laufenden Meter ein. Vor zwei Wochen dann der Schock am Telefon. Plötzlich soll der laufende Meter 2,00 Euro kosten. Da fragt man zwei Mal, ob man richtig gehört hat und nicht eventuell ein Missverständnis vorliegt! Aber die Antwort war: „Ja, du hast richtig gehört, für Dachlatten machen wir aktuell nur noch Tagespreise!“.
Dachlatten: Preiserhöhung um 235 %
Aus Quartals- wurden in unserem Fall Wochen- und aus Wochen- Tagespreise. Innerhalb weniger Tage stieg der Preis für einen laufenden Meter Dachlatte für uns also um 235%. Zwar hatten wir als Zimmerei logischerweise von den rasant ansteigenden Preisen für Bauholz und Holzwerkstoffe gehört, dass es aber innerhalb von nur zwei Wochen so dramatisch wird, damit haben wir nicht gerechnet.
Nachdem wir das Telefonat haben sacken lassen, tauschten wir uns mit anderen Holzhändlern und Berufskollegen aus und es bot sich überall das gleiche, desaströse Bild.
Die Kollegen berichteten uns über folgende Preissteigerungen, die sie selbst erfahren haben:
- KVH über 100 % teurer (Zeitraum September 2020 – März 2021)
- Dachlatten 100 – 235% teurer
- Brettsperrholz 40% teurer
- Plattenwerkstoffe bis zu 450% teurer
- Holzweichfaserdämmung 25 – 35 % teurer
Kurzarbeit wegen Lieferengpässen?
Eine Aussage eines Dachdeckers hat uns besonders nachdenklich gestimmt „Wenn es so weitergeht wie jetzt, dann kann ich im Sommer meine Jungs trotz vollen Auftragsbüchern zuhause lassen!“.
Zu den exorbitant hohen Preissteigerungen kommt nämlich noch ein weiteres Problem - Lieferengpässe. Wer hätte gedacht, dass uns sowas im Holzland Deutschland einmal passieren würde? Wir, jedenfalls nicht und damit sind wir nicht allein!
Auftragsannahmeverweigerung der Hersteller
Unseren „Aha-Moment“ hatten wir diesbezüglich beim Thema Dämmung. Für unser großes Bauvorhaben im August benötigen wir 820m³ Holzweichfaserdämmung. Wir fühlten uns bei diesem Posten recht sicher, schließlich hatten wir vom Hersteller im Februar ein Angebot erhalten, indem uns eine verbindliche Preisbindung bis Dezember diesen Jahres zugesagt wurde. Als wir den Auftrag nun terminieren und auslösen wollten wurden wir mit einem Wort bekannt gemacht, welches bisher in unserem Wortschatz nicht existierte. „Auftragsannahmeverweigerung“. Der Hersteller teilte uns mit, dass aktuell keine Aufträge mehr angenommen werden und dass die Lieferzeit für die gewünschte Dämmung nun bei mindestens acht Monaten liegt. Super, wenn man das Material drei Monate früher benötigt als es „vielleicht“ lieferbar ist. Auch hier sind wir nicht alleine.
OSB Nut und Feder ist quasi vom Markt verschwunden
Viele Berufskollegen berichteten uns von ähnlich dramatischen Situationen. Plattenwerkstoffe wie OSB sind kaum noch aufzutreiben und wenn ja nur in kleineren Mengen oder nur als stumpfe Ware. Nut und Feder Ware ist quasi vom Markt verschwunden. Sicherlich ist das neben der Exportproblematik auch dem geschuldet, dass Unternehmen welche die finanziellen Mittel und die Lagerflächen haben, viel größere Mengen gekauft haben als sie eigentlich aktuell benötigen würden. Schlichtweg aus der Angst heraus, vielleicht sonst nächste Woche nicht mehr arbeiten zu können. Denn leider können auch die besten Handwerker ihre Arbeit nicht ohne Material ausführen.
Hoffen auf eine Erholung am Weltmarkt
Wir hoffen sehr, dass die USA die Strafzölle auf kanadisches Holz zeitnah aufhebt, somit der Bedarf an europäischem Rund- und Schnittholz in den USA sinkt und die deutschen Sägewerke das Holz wieder zu marktüblichen Preisen in Deutschland verkaufen. Im Vergleich zu 2020 haben die Nadelschnittholzexporte in die USA um über 40% zugenommen, Holz was auf dem europäischen Markt nun leider fehlt.






Ein toller Bericht, der sachlich die Fakten auf den Tisch bringt.
Hab in den letzten Tagen auch das Internet nach Informationen und Ursachen durchforstet. Zuerst stößt man immer auf "Trump und seine Landsleute die uns hier alles Holz wegkaufen".
Wenn ich dann allerdings die Pressemittelung vom Verband der Säge und Holzindustrie vom 27.04. lese, steht dort das der Holzexport im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen ist.
https://www.saegeindustrie.de/de/content/newsroom/aktuelles/news?id=2048
Des weiteren kann man auf den Seiten der amerikanischen Berufskollegen lesen, das dort auch der Holzpreis um 250 % in den letzten Monaten gestiegen ist und Material knapp wird, also die selben Probleme wie bei uns - nur etwas früher.
Ich frage mich deshalb - was ist jetzt die wirkliche Ursache für unser Problem ?
Die Hamsterkäufe die wir jetzt alle ausgelöst durch die Panik am Markt tätigen machen die Sache sicher nicht besser.(Über Toillettenpapier Knappheit haben wir gelacht)
Gruß Marco
Toller Beitrag trifft genau den Punkt. Wir haben heute 4000 lfm KVH Latten 4x6 cm gekauft cbm Preis 620€ Die angefragten S10 Latten 41x61 getrocknet sollten 1000€ je cbm kosten
Da fragt mann sich Wer kauft so was Ich finde den Preis für die KVH Latte schon an der Schmerzgrenze .da wir die letzten Latten für 0,80€ je lfm gekauft haben
Holzfaserdämmplatten sind laut Zulieferer für dieses Jahr ausverkauft und nicht mehr zu
bekommen Na gut wir haben ja auch schon fast Mai dann geht der Zimmermann ja auch in Sommerurlaub
Alle meine Händler und Zulieferer habe die Preisvereinbarung und die Lieferzusagen gekündigt. Es geht nach dem Prinzip ich sage die was du zahlen musst wen ich das Material auf dem Hof habe. Soweit so ... schlecht.
Gestern hatte ich ein Kundegespräch am Telefon über einen Carport Holzbau, Fassadenschalung, Ziegel gedeckt, schöne Arbeit. Der Kunde fragt mich was das den so kosten würde und wann wir das machen könnten? Ich habe das Prinzip der Lieferanten angewendet und gesagt "wir machen Ihnen das im nächsten halben Jahr und wenn wir fertig sind sage ich Ihnen was sie der Carport kostet"
Der Kunde fragt noch nach meinem Geisteszustand und legt auf!!!!
Michael Hündgen,
Hallo zusammen,
Sehr gut geschriebener Beitrag, der in allen angesprochenen Bereichen zutrifft.
Was mir aber sehr stark zu denken gibt, ist die Tatsache das nicht nur in Corona Zeiten sondern auch schon davor eine regelrechte Nachwuchsexplosion stattfindet. Dringend benötigte Kitas und Schulgebäude in Holzrahmen und Modulbauweise die dringend in 2021 benötigt werden, können aufgrund von wenig bis gleich Null vorhandenem Material nicht produziert werden. Auftragsannahmeverweigerung jetzt auch bei uns ? Statt sich die Politik in Berlin einmal dieser Sache annimmt, wird da oben schon jetzt wieder über Wahlkampfvorbereitungen zur Kanzlerschaft diskutiert. Das kann und darf nicht sein ! Es wird nicht nur das Handwerk sondern letztendlich auch der Bürger von da oben verarscht und im Stich gelassen. Darum müssen wir schon den einzelnen Parteien in den Landesregierungen einen Einlauf verpassen. Die wissen doch noch gar nicht was bald hier los ist. Dafür reicht das Allgemeinwissen bei denen da oben einfach nicht aus.
Ja fand ich auch sehr gut zusammengefasst.
Dazu kommt noch die Arbeitszeit die verbracht wird um den Auftraggebern die Situation zu erklären und Diskussionen warum weshalb zuführen.
Leider stößt man da nicht immer auf Verständnis und es wird versucht die Schuld uns zu geben, obwohl wir am wenigsten dafür können. So ist meine Erfahrung im Moment.
Schöner Beitrag..gute Zusammenfassung der aktuellen Situation.