Teil X: Die ersten Monate als Meister
Ausgeglichener Mix aus Baustelle und Büro
Seit Ende Januar bin ich nun als Meister wieder in meinem Ausbildungsbetrieb tätig. Ein Zimmereibetrieb mit einem kleinen jungen Team und aktuell drei Auszubildenden. Wichtig war mir dabei von Anfang an, dass ich sowohl weiterhin mit auf die Baustellen fahre, trotzdem aber auch den Tätigkeiten in der Arbeitsvorbereitung im Büro nachgehen kann. Das klappt bisher sehr gut, das Verhältnis stimmt und so gingen die ersten Monate schon wieder schneller vorbei als erwartet. An dieser Stelle ist es noch mal Zeit sich bei der Firma SEMA zu bedanken für die bisher sehr gute Zusammenarbeit, einen klasse Service und sehr netten Mitarbeitern in der Hotline wenn dann meinerseits doch mal was nicht so klappt wie gewollt. In Zukunft werde ich euch hier auch zum Thema CAD etc. noch etwas mehr berichten, das ist in letzter Zeit leider etwas auf der Strecke geblieben, unter anderem wegen der immer nerviger werden Situation am Holzmarkt.
Lieferengpässe und immer weiter steigende Preise
Seit Wochen geht es jeden Tag eigentlich nur darum Material zu beschaffen, am besten natürlich zeitnah und zu akzeptablen Preisen, doch das wird immer schwieriger. Beinahe jede Woche kommt eine neue Preisliste vom Sägewerker rein, die Einkaufspreise für KVH und BSH haben sich mittlerweile mehr als verdoppelt. Die Lieferzeiten stehen bei acht bis zehn Wochen, mit viel Glück kann man irgendwo kurzfristig noch Lagerware abgreifen. Dies verändert natürlich den kompletten Arbeitsablauf in der AV. Wurde vorher, nachdem der Maurer seine Decke betoniert hatte nochmal vor Ort aufgemessen und danach Holz bestellt, muss man mittlerweile schon nach der Entwurfsplanung bestellen und hoffen, dass sich nicht mehr groß was ändert. Glücklicherweise arbeiten wir größtenteils mit Maurern zusammen, bei denen grundsätzlich alles passt und das Ganze somit irgendwie umgänglich ist, aber trotzdem ist die Situation nicht schön, für alle Beteiligten.
Dank der enormen Preissteigerungen ist es zudem aktuell fast unmöglich ein Angebt zu machen, Produkte wie Holzweichfaserplatten oder OSB werden zu Raritäten und selbst von Schraubenherstellern hört man, dass es bald nichts mehr gibt, es fehlt an Stahl. Ein kooperierender Dachdecker hat nun gesagt bekommen, er könne Latten nur noch in Kombination mit Ziegeln bestellen und die Lieferzeiten sind ebenso schwierig momentan. In allen Bereichen fehlt aktuell Material. Aber zu diesem Thema wird es demnächst nochmal einen separaten Beitrag geben, das ist jetzt hier sonst zu ausführlich.
Restaurator im Zimmererhandwerk
Gerade in dieser Situation, in der wir uns jetzt befinden, sind Baustellen wie Fachwerksanierung etc., bei denen man mit wenig Materialeinsatz lange zu tun hat, Gold wert. Umso mehr bietet es sich an, wie schon immer von mir geplant, den Restaurator im Zimmererhandwerk noch dran zu hängen. Glücklicherweise findet der Kurs ab September in Biberach nach aktuellem Stand der Dinge nochmal statt, bevor es nächstes Jahr nach der neuen Prüfungsordnung auf Master-Niveau abläuft. So werde ich also schon bald wieder die Schulbank drücken, auch davon werde ich hier natürlich berichten. Damit gehe ich einen Schritt, der mir persönlich sehr wichtig ist, einfach um die Arbeiten der vergangen Generationen an Zimmermännern noch mehr schätzen zu lernen und zukünftig zu retten und zu pflegen - ein Weg, um in der heutigen Zeit noch etwas näher am eigentlichen Handwerk zu bleiben!
Und jetzt seid ihr dran, wie sieht es bei euch aus bezüglich Material? Schreibt es einfach mal in die Kommentare, vielleicht gibt es ja noch ein paar interessante Storys, die ich in den nächsten Beitrag einfließen lassen kann.
Zünftige Grüße - Haltet durch!
