Der Holzrausch: Preise steigen, Lieferzeiten erhöhen sich, Probleme der Zimmerer wachsen
Wieso es zu diesen Preissteigerungen kommt, haben wir bereits in unserem Beitrag „Holzpreise steigen weiter: Das sind die Ursachen“ behandelt. Was die derzeitige Situation jedoch für kleinere Betriebe wie die Zimmerei von Sascha Kray bedeutet, wollen wir heute herausfinden.
Unzufriedene Kunden durch nicht absehbare Preissteigerungen
Wem geht es gerade nicht so – ständig sind Zimmereien damit beschäftigt, den Kunden zu sagen: „Es wird teurer.“ Und das, ohne dass sich am Projekt selbst etwas geändert hätte oder man etwas dafürkann.
Sascha Kray aus Siegen in Nordrhein-Westfalen fasst es so zusammen: „Die Situation gerade ist für uns unheimlich stressig und macht keinen Spaß mehr. Nicht nur unsere Kunden, sondern wir alle müssen mehr Geld in die Hand nehmen und das geht einem an die Substanz. Weder uns noch den Bauenden macht es noch große Freude, denn jeder überlegt nur, wie teuer das Holz noch wird.“
Gutes Image des Holzbaus gefährdet
Und dabei hatten die Zimmerer und Holzenthusiasten in den letzten Jahren und Monaten große Erfolge. Das Image des Holzbaus ist immer weiter gestiegen und war unglaublich beliebt – doch all diese harte Arbeit ist nun viel weniger wert, weil das Holz nicht mehr bezahlbar ist.
Natürlich, die Holzpreise in Deutschland waren bisher sehr günstig und wir waren ein wenig verwöhnt – aber eine Preissteigerung von bis zu 50% in nur vier Monaten war unmöglich vorherzusehen und ist oftmals schwer zu erklären. Denn seien wir einmal ehrlich, der Dachstuhl ist das, wo immer als erstes gespart wird – für Kunden ist das Verständnis für hohe Kosten beim Bau des Dachstuhls daher grundsätzlich gering.
Lage vernichtend
Wie Sascha Kray erklärt, ist die angespannte Situation besonders für neue Selbstständige besonders hart. „Wer noch relativ neu im Geschäft ist, bekommt zurzeit einfach kein Holz mehr. Die Holzhändler beliefern natürlich zuerst ihre Stammkunden. Und da nicht mal für diese genug Rohstoff vorhanden ist, gehen die neueren Zimmereien leer aus. Ich habe das Glück, dass mein Vater bereits vor 35 Jahren unsere Zimmerei gegründet hat und wir somit zu den Stammkunden zählen.“
Doch auch die Zimmerei Kray merkt, dass sie als kleineres Unternehmen am Ende der ‚Nahrungskette‘ steht. „Alle größeren Unternehmen bekommen ihr Holz vor uns. Daher dauert die Lieferung für uns ewig lange.“, so der 29-Jährige. Konnte der Zimmerermeister bisher sicher mit einer Lieferzeit von unter einer Woche rechnen, so kann er jetzt von vier bis fünf Wochen ausgehen – und das bei nicht sichtbarem Holz. Bei gängigem BSH wie GL24h sieht die Lage noch prekärer aus: Von bisherigen zwei Wochen ist die Lieferzeit nun auf bis zu 4 Monate gestiegen. Die tatsächliche Lieferung ist dabei aber absolut ungewiss und kann stark variieren.
Öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Holzpreise
Doch einen kleinen Lichtblick gibt es: Da das Thema Holzknappheit nun in den Medien auftaucht und durchaus Gehör findet, verstehen immer mehr Kunden die schwierige Lage der Zimmerer. So legt sich der Unmut auf Kundenseite wenigstens ein wenig.
Und auch Zimmereien selbst werden aktiv. Beispielsweise Zimmerermeister Brunnermeier aus Landshut hat bereits 2 Briefe an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger geschrieben. Unter dem Motto „Holz aus Bayern – für Bayern. Zur Stärkung und Erhaltung der heimischen Wirtschaft“ hat er um eine nachhaltige Lösung des Freistaats Bayern gebeten. Als Besitzer großer Waldflächen sollte der bayerische Freistaat laut Herrn Brunnermeier die heimische Holzwirtschaft unterstützen und langfristig in die Heimat investieren. Dass die bayerische Regierung stattdessen auf kurzfristige Gewinnmaximierung setzt und das heimische Holz an die zahlungskräftige USA verkauft, prangert der bayerische Zimmerer Herrn Aiwangers Ministerium an.
Mehr zum Thema im Blog - Video vom 10. April 2021: „Kein Holz für die Hütten: Zimmerern geht der Baustoff aus | Quer vom BR“





