Sonstiges
Marvin Fuchs
09.02.2021

Teil IX: Endlich Zimmermeister

Wie versprochen kommt hier nun auch der etwas ausführlichere Rückblick zum Thema Meisterschule. Vor allem auf meinem Instagram-Profil habe ich unzählige Nachrichten bekommen von interessierten Lehrlingen, Junggesellen, Altgesellen oder auch aktuellen Teilnehmern von einem Meisterkurs. Jeder hatte irgendwelche Fragen zum Thema und deshalb hier mal ausführlich für alle ein Beitrag dazu.
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Meine Erfahrungen am Bubiza Kassel

Fangen wir ganz von vorne an, also am 3. Februar 2020. Der erste Tag für mich am Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes in Kassel. Der Kurs startete mit den gewerksübergreifenden Teilen III und IV. Mehr dazu findet ihr in meinen älteren Beiträgen dieser Serie hier. Um hier nicht groß zu wiederholen springen wir gleich in den Sommer, also den Beginn des fachlichen Teils, der Grund warum es jedes Jahr so viele angehende Meister nach Kassel zieht. Genauso schnell wie die Zeit gerade in diesen Zeilen verging, kam es einem auch im letzten Jahr wirklich vor. Kaum angefangen hatte man schon zwei von vier Teilen der Meisterprüfung erfolgreich abgelegt und konnte sich nun voll auf die Teile I und II konzentrieren.

Schon beim ersten Blick auf Stundenplan und Dozentenliste konnte man erahnen, mit welcher Qualität das ganze ablaufen wird. Um die 35 Dozenten, jeder auf sein Thema spezialisiert, die meisten mit akademischen Titeln geschmückt und direkt aus der Praxis. So komm ich auch hier schon mal zu einem Feedback zur Schule an sich: Ich kann jedem Interessierten den Weg nach Kassel empfehlen, die Stadt hat nicht allzu viel zu bieten, aber das Bundesbildungszentrum überzeugten trotz Corona mit einem meist gut organisierten Ablauf und einer hohen fachlichen Kompetenz der Dozenten. Um hier nicht in pure Blümchen-Malerei zu verfallen, muss man natürlich auch dazu sagen, dass unter den Dozenten auch der ein oder andere dabei ist, der wirklich enttäuscht hat. Aber das wird es leider überall geben. Dafür gibt es aber auch Mitarbeiter beim Bubiza, die sich immer für die Interessen der Schüler einsetzen, Tag und Nacht erreichbar sind und mit einer großen Begeisterung an die Sache ran gehen. Alles in allem, wenn ihr den Meister machen wollt ist Kassel eine super Anlaufstation mit hoher Qualität!

Prüfungen: Ablauf, Schwierigkeit etc.

Die meisten Fragen kommen zum Thema Meisterprüfungen. Dazu erstmal was zum allgemeinen Ablauf:

  • Meister besteht aus vier Teilen: Teil I (Prüfung der praktischen Kenntnisse), Teil II (Prüfung der fachtheoretischen Kenntnisse), Teil III (Prüfung der betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen und rechtlichen Kenntnisse), Teil IV (Prüfung der berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse)  

  • Teil III und IV werden direkt im Anschluss an den jeweiligen Unterricht im Februar und April geprüft
  • Teil II wird in Form von vier schriftlichen Theorieprüfungen im Januar zum Ende des Kurses geprüft
  • Teil I gliedert sich in die Situationsaufgaben (Schiften/ Treppenbau und Fehlersuche), diese werden im Oktober/ November geprüft und dem Meisterprüfungsprojekt, welches im Januar stattfindet

Insgesamt kann man hier denke ich von sehr fairen Prüfungen sprechen, die für jeden zu schaffen sein sollten, wenn man regelmäßig im Unterricht anwesend ist und Arbeitsaufträge erledigt. Viele haben mir wegen der Schiftprüfung geschrieben, dazu kann ich nur sagen, dass man in Kassel sehr sehr gut darauf vorbereitet wird. Wenn man von der ersten Stunde an aufpasst und zuhause mal das ein oder andere Modell wiederholt, geht das klar. Mir persönlich hat es geholfen, die Modelle einmal im CAD-Programm (bei mir SEMA) durchzuschiften und dann auch das 3D-Modell mal zu konstruieren und zu vergleichen. Da kann man sich die Sachen mal besser vorstellen und sich auch eigene Wege zum Ziel selbst beibringen, indem mal die Wege mal rückwärtsgeht. Und sollte es da trotzdem zu Komplikationen kommen, macht euch keine großen Sorgen, dieses Jahr hat auch ein Teilnehmer mit 12,6 Punkten im Schiften seinen Brief bekommen - dann muss die Leistung in den anderen Prüfungen allerdings dementsprechend gut sein. Geschenkt gibts am Ende dann doch nicht. 

Der andere große Brocken ist das Meisterprüfungsprojekt, dabei geht es um ein vom „Kunden“ gewünschtes Einfamilienhaus, dass einmal vom Entwurf, über Statik, Wärmeschutznachweise, Werkplanung, Treppenbau, Kostenschätzung bis hin zu den Detailplanungen durchgearbeitet wird. Auch hier lässt sich rückblickend sagen, dass das kein Hexenwerk ist, wenn man sein CAD-Programm einigermaßen beherrscht. Das geplante Gebäude aus 5 Tagen wird dann zum Abschluss nochmal in einem 30-minütigen Fachgespräch vorgestellt. Danach gibt es die Noten aus allen Teilen und es ist geschafft. So zumindest in Kassel, hier bezieht sich alles im Detail nur auf das Bundesbildungszentrum und die Prüfungen der Handwerkskammer Kassel.

Sind die Prüfungen alle erfolgreich geschafft darf man die Titel Zimmermeister und/ oder Bachelor Professional tragen, naja ob zweiteres unbedingt nötig war lässt wieder einige Diskussionen zu. Für mich verschandelt es ein bisschen den Meisterbrief, kann man von halten was man will...

Möglichkeiten nach dem Meister

Erstmal muss ich hier nochmal deutlich sagen: den Meisterbrief zu haben bedeutet nicht automatisch auch Meister zu sein, da gehört mehr dazu. Den Titel gibt es mit etwas Köpfchen und Interesse eigentlich ziemlich leicht, was man daraus macht ist entscheidend. Für mich geht es jetzt mit einer Meisterstelle weiter, seit knapp zwei Wochen bin ich wieder im Betrieb und seitdem hauptsächlich in der Arbeitsvorbereitung aktuell, wie es da so läuft seht ihr in Zukunft wieder öfter auf meinem Instagram-Profil.

Auf jeden Fall soll bei mir noch der Restaurator im Zimmererhandwerk folgen, dies konnte ich dieses Jahr in Kassel leider nicht machen, da die Anmeldezahlen nicht ausreichend waren. Bei vielen steht jetzt direkt nach dem Zimmermeister auch gleich der Dachdeckermeister an, da bin ich allerdings persönlich kein Fan von, aber das muss jeder in seinem persönlichen Einzelfall sehen. Ansonsten stehen einem nun mit dem Brief viele Türen und Wege offen, wie gesagt, jetzt zählt was man daraus macht ...

An dieser Stelle nochmal Glückwunsch an alle Jungmeister aus meinem Jahrgang in Kassel, viel Erfolg an alle die gerade dabei sind oder den Weg in Zukunft anstreben! 

Weiterführende Informationen:

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1 Kommentar
Daniel Rudolph
26.05.2022

Danke Marvin für die Ausführliche Darstellung. Ich bin zur Zeit auch im Bubiza und mache meinen Meister.

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